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Reise-Tagebuch

Marathoners do it longer!

Der erste Eintrag kommt hier aus New York, vom Burger King am World-Trade-Center-Platz. Ich musste einfach nochmal hierher kommen - war ich doch bei meinem letzten Besuch in NY noch oben auf dem World-Trade-Center drauf. Auch den Burger King am WTC besuchte ich damals, und ganz ehrlich: der gehoerte einfach abgerissen! Der jetzige ist viiiieeeel besser, Osama Bin Laden sei - dafuer zumindestens - Dank!

Ja, gestern der Marathon war einfach nur GEIL! Ich bin absolut begeistert, links und rechts der Strassen stehen sooo viele Leute, wie in Berlin vielleicht im Zielbereich. Dazu die Bands, von Hard-Rock ueber Soul, Country bis hin zu Rap - jeder Band haette man gern minutenlang zugehoert, aber leider war man immer zu schnell vorbei (jawohl, Carsten und Enno: ich war zu schnell! ;-) ).

Ein Marathon ist ja hier nicht 42,2km lang, sondern 26,2 Meilen, und fuer alle die, die noch nie oder noch nicht soetwas in Angriff genommen haben, hier mal die Gedanken, die in einem so aufkommen:

Start: das Blut ist mit Adrenalin gesaettigt, wenn die Massen zu Frank Sinatras "New York, New York" ueber den Startteppich laufen
Meile 1: Platzangst!
Meile 3: Laeuft schon besser.
Meile 4: Laeuft richtig gut!
Meile 5: Laueft super!
Meile 6: Marathon ist wie Kindergeburtstag!
Meile 7: Wie ein Kindergeburtstag mit vielen Luftballons und einer riesigen Torte mit viiieeel Schokolade drauf!
Meile 9,5: JUCHUUUH! 15 km geschafft!
Meile 9,6: MIST! Noch 27 Kilometer to go!
Meile 12: Ich liebe diese kleinen Trinkbecher an den Verpflegungsstationen.
Meile 13,1: Half done! Half to go!
Meile 15: Wow, die Kleine da vorne sieht aber suess aus!
Meile 16: Mist! Das ist ja ein Kerl!
Meile 16,5: Hello Manhattan! Ich liebe New York!
Meile 20: Welcome to the BROOOOOOOOOOOOOOOOONX! Erneut Endorphine pur!
Meile 22: Die Fuesse! Was ist mit meinen Fuessen???
Meile 23: Alles unterhalb der Knoechel ist taub.
Meile 24: Taubheit verschwindet, Schmerz kommt!
Meile 25: Ich will sterben! Jetzt! Sofort! Helft mir, gebt mir eine Waffe!
Meile 26: 1027 feets to go! Mein Herz springt vor Freude.
Meile 26,2: FINISHED! Yuchuuuuuuuuuu! Wo ist meine Medaille? Gebt mir meine Medaille!

Also kurz: es war wirklich einfach nur geil! Bei schoenstem Sonnenschein habe ich bis zum Kilometer 35 das Grinsen einfach nicht aus dem Gesicht bekommen, bei Kilometer 20 habe ich ein wenig Tempo rausgenommen, weil ich schon Angst hatte, vor lauter Euphorie zu ueberpacen. Ich habe ueber 200 Fotos entlang der Strecke gemacht. Jeder hat sofort 'ja' dazu gesagt, immer fand sich auch jemand, der fuer mich auf den Ausloeser drueckte. Sowohl Polizisten als auch Feuerwehrmaenner, Cheerleader, ... Alle habe ich drauf!
Datum: 03.11.2008 14.11 Uhr


 

 

CHANGE! YES WE CAN!

Also die letzten Tage hier mal im Schnelldurchlauf: in Philadelphia machte ich meinen langgehegten Traum war und lief endlich, endlich, endlich einmal die Treppe zum Kunstmuseum hinauf. Diese Treppe ist aus gleich vier von Hollywood wertvollsten Filmen bekannt und beruehmt, naemlich aus "Rocky", "Rocky - Teil 2", "Rocky - Teil 3" und "Rocky Teil 5". Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht genau sagen kann, ob dieser ICONIC SHOT auch im 6. Teil von Rocky auch vorkommt. Naja, muss ich mir die sechs Teile eben nochmal anschauen, wenn ich nach Hause komme ... :-)

Treppe hoch und runterlaufen ging federleicht und super. Auf der Suche nach dem besten Foto rannte ich die Treppe gleich acht Mal hoch und wieder hinunter - im Film sah das sehr viel steiler und schwieriger aus. Also wenn das alles ist, was einen Mann zum Schwergewicht-Box-Weltmeister macht, dann sollte ich es auch mal mit dieser Sportart versuchen - das Gewicht habe ich jedenfalls bereits.

Gestern war ich nun in Washington. Ich checkte in einem Hotel ein, nahm mir eine Visitenkarte vom Hotel (um problemlos wieder zurueckzufinden) und begab mich mit nichts als ein paar Dollar in der Hosentasche sogleich in die Satdt. Das Weisse Haus, Capitol, Washington Mall, die Kriegsdenkmaeler, ... liegen alle mehr oder weniger auf einem Haufen, aber dennoch muss man ein ganz schoenes Stueck herumlaufen. Nach 3 Stunden, als es dann langsam dunkel wurde, begab ich mich auf den Rueckweg. Ploetzlich war ich mir ueber den Rueckweg gar nicht mehr so sicher. Ich holte daher die Visitenkarte des Hotels hervor und sah, dass dies nur so eine Werbung von einer Pizzeria war und von der Hoteladresse nichts zu finden war. Nicht mal der Name.

Na schoenen Dank. Da stand ich nun mitten in der Schaltzentrale der einzigen verblieben Supermacht und wusste nicht mehr wo mein Hotelzimmer ist. Also auch nicht, wo mein Auto, meine Sachen und mein Pass waren!

Hinstellen, heulen, mich ueber Lautsprecher ausrufen lassen und warten bis Mutti kommt - das schien auch irgendwie keine zielfuehrende Option zu sein.

Ich erinnerte mich dunkel an einen chinesische Bogen ueber der Strasse, unweit des Hotels. Sowas hatte ich naemlich in Peking schon mal gesehen und fand es in Washington ziemlich deplaziert. Ich fragte ein paar Leute, wo das sein koennte. Eine Frau sagte mir, dass es in Chinatown soetwas gaebe, Strasse H kreuzt sich dort mit der siebenten Strasse. Und Chinatown schien auch Sinn zu machen: ich schien mich zu erinnern, dass es beim Hotel sehr nach chinesichen Speisen duftete. Ich hin zu der Kreuzung (ich war ganz schoen weit entfernt davon!), und dann fand ich auch sofort mein Hotel.

Naja, eben nochmal Glueck gehabt. Soweit erstmal auf die schnelle, morgen schreibe ich, was fuer eine unglaublich Sache mir eben gerade hier an den Niagarafaellen passiert ist. Aber nur, wenn ich aus diesem wundersamen Traum nicht doch noch erwachen sollte ....
Datum: 06.11.2008 03.14 Uhr


 

 

Danke Mutti!

Also gestern kam ich bei den Niagara-Faellen an. Um langes Suchen, Herumfragen und Feilschen zu vermeiden reservierte ich per Internet vorab ein Zimmer. Ich fuhr das Auto auf den Parkplatz, ging zur Rezeption und fragte, ob freies Parken in der Raumrate enthalten waere. Ist es natuerlich nicht! 20 US$ wollten die dafuer.

Naja, biss ich eben in den sauren Apfel, holte ich meine Sachen und ging wieder zur Rezeption, die inzwischen das Einchekcen vorbereiteten. Die Rezpetionistin sagte mir, dass sie mich irgendwie schon mal gesehen hat, ob ich vielleicht meine Flitterwochen hier verbracht haette. Ich sagte - aeusserlich ungeruehrt - einfach nur 'nein' und denke so bei mir 'naja, kennt sie mich wohl aus dem Nordkurier, oder so ...'.

Waehrend sie noch im Computer sucht, sagt sie, dass das parken fuer mich umsonst waere. Oh, danke, geht doch!

Waehrend ich mich noch ueberschwenglich bedanke, eroeffnet mir die junge Dame, dass ich Glueck haette, meine Kreditkarte braeuchte sie nicht, meine Mutter haette naemlich mein Zimmer bereits mit ihrer Kreditkarte bezahlt und ich wuerde sogar das beste Zimmer des Hauses bekommen: eines mit Blick auf den Niagara-Fall.

Das mit dem besten Zimmer hielt ich fuer eine billigen Aufwertsversuch von uebriggebliebenen Kammern. Das Mutti das Zimmer schon bezahlt haette , hielt ich fuer ausgeschlossen, da Mutti gar nicht weiss, wann ich wo gedenke abzusteigen. Aber dennoch auf diesem Wege "Danke" - an wen auch immer.

Im Fahrstuhl musste ich die Taste des 15. Stockwerkes druecken - hoeher geht's nicht; schonmal ein gutes Zeichen. Im Flur des 15.Stockwerkes hatte ich das letzte Zimmer, also ganz weit aussen, fuer den idealen Blick auf die Niagara-Faelle. Und im Zimmer befand sich 3 Meter neben dem Bett ein Jacuzzi direkt am Fenster und hinter dem Fenster lag in vielleicht 300m Entfernung der bekannteste Wasserfall der Welt!

Das mit dem besten Zimmer war also kein hohles Werbeversprechen. Danke Mutti!

Das war noch nicht alles: das Bett in Kingsize-Groesse war per Knopfdruck im Haertegrad verstellbar: von durchgelegenem Ferienlager-Doppelstockbett bis hin zu 2-Milimeter-Isomatte auf Steinfussboden. Irgendwo dazwischen war's echt bequem. (Ich habe natuerlich mehrfach versucht es noch haerter als hart zu machen, aber die Elektronik war intelligent genug das Bett nicht platzen zu lassen ;-) )
Im Whirlpool schaute ich dann Fernsehen und in den Werbepausen immer mal wieder - ohne meinen Kopf zu verrenken - aus dem Fenster, ob die Niagarfaelle denn immer noch fleissig fallen.

Dazu noch die Nachrichten aus Pasewalk unseren Buergermeister betreffend - ein wirklich rundum perfekter Tag!
Datum: 07.11.2008 08.24 Uhr


 

 

Was inzwischen geschah

Wir (Thomas + icke) sitzen gerade in Cody (Wyoming, unweit des Yellowstone-Nationalparks) am einzigen oeffentlichen Computer und muessen uns beeilen.

Nach den Niagarafaellen fuhr Rue nach Chicago um dort den zweiten Tourteilnehmer Thomas zu treffen. Hoehepunkt war ein Besuch auf dem Hancock-Tower und Treffen mit Sebastian Lemke, der zufaellig dort geschaeftlich zu tun hatte.

Am zweiten Abend ging es nach einem Besuch eines Basketballspiels der Chicago-Bulls (am meisten haben uns nicht die Cheerleader gefallen, sondern die Matadors - eine Gruppe hoffnungslos uebergewichtiger aber uneitler Fans, die zu Aerosmith+RunDMC's "Walk this way" eine ganz eigene Choreographie ablieferten - zum Schreien komisch!) mit dem Auto zum Mount Rushmore (1500km).

Am Mount Rushmore besichtigten wir die beruehmten Praesidentenkoepfe.

Dann gings zum Yellowstone-Nationalpark, wo wir Woelfe und Bisons ganz hautnah erleben durften. leider war der Rest wegen Wintereinbruch gesperrt.

Nun entfliehen wir dem Winter und wollen in den Sueden, zum Arches-Nationalpark. Von dort melden wir uns dann mal ausfuehrlicher.
Datum: 12.11.2008 00.58 Uhr


 

 

Kein Bier zum Tagesausklang

Direkt nach dem Tagebucheintrag machten wir uns auf in Richtung Sueden. Thomas uebernahm die ersten 5 Stunden und als er dann irgendwann nach Mitternacht muede wurde, uebernahm sein Buddy ausgeschlafen das Steuer. Autofahren in den USA macht echt Spass, bei sternenklarem Himmel und Vollmond ist auch eine Nachtfahrt durch die abwechslungsreiche Landschaften ein Vergnuegen. Da wir keinen Interstate-Highway nahmen, waren einige Strassen steil und verschlungen, ordentlich verschneit und fuehrten durch spaerlich besiedelten Landstriche. Einzig das viele Wild erforderten viel Konzentration, einige Dutzend Vollbremsungen retteten genausovielen Hirschen oder Kaninchen das Leben, unterbrachen allerdings den Schlaf des Beifahrers immer und immer wieder. Schlafen kann man uebrigens in unserem Auto wirklich gut, Platz haben die Ami-Schlitten ja ohne Ende.

Kurz nachdem ich das Steuer uebernahm, so gegen 2:30 Uhr fuhr ich durch eine Ortschaft, auf der das Tempo zunaechst auf 45 Meilen/h und dann auf 35M/h beschraenkt wurde. Die Ortschaften in Amerika sind nach 23:00 Uhr tot: kein Auto, kein Licht in irgendeinem Haus, nicht mal die Haustiere treiben sich herum. Trotzdem hielten wir uns im Grossen und Ganzen an die Geschwindigkeitsbeschraenkungen. Und als ich nun so durch diese tote Ortschaft fuhr, erschien auf einmal ein blau-roter Lichterwirbel im Rueckspiegel. Ich fuhr langsamer, in der Hoffnung, dass die Polizei oder der Krankenwagen an mir vorbeiziehen wuerde. Tat er aber nicht! Ich weckte Thomas, der auch sofort seinen Sitz aus der Schlafposition hochstellte und hielt an. Wie ich es aus Filmen kannte, wurde der Motor ausgemacht und ich legte meine Haende auf das Steuer, sodass der Polizist sehen konnte, dass ich unbewaffnet war. Nach einer Weile kam ein Polizist von hinten links, und forderte mich auf die Fahrertuer langsam auf zu machen. Ich befuerchtete schon, dass ich gleich breitbeinig mit beiden Haenden auf der Motorhaube durchsucht werde.

Ich machte langsam die Tuer auf und bat den Polizist mir genaue Instruktionen zu geben, da wir Deutsche sind und nicht vertraut mit dieser Art von Durchsuchungen sind. Der Polizist bat mich auszusteigen. Ich kam der Bitte nach und fragte, ob ich zu schnell gefahren bin. Das wurde bejaht. Der Polizist bat um Fuehrerschein, Reisepass und die Papiere der Autovermietung. Waehrend er zurueck zu seinem blinkenden Auto ging, forderte er mich auf wieder einzusteigen und zu warten. Auch das tat ich natuerlich.

Die Warteminuten im Auto verkuerzten wir uns mit viel Galgenhumor. Nach einer Weile bekam ich meine Papiere zurueck, der Polizist erklaerte mir, dass er von einer Strafe absehe, ich aber in Zukunft auf die Geschwindigkeitsbegrenzung achten soll. Er gabe mir noch eine Visitenkarte von sich und wuenschte uns eine gute Fahrt.

Glueck gehabt! Ich weiss zwar nicht, wozu ich die Visitenkarte bekommen habe, aber werde ihm wohl mal aus Deutschland eine nette Karte schicken.

Heute frueh waren wir dann die ersten im Arches-National-Park. In einer Wuestenlandschaft, die von erodierten, rotlichem Sandstein dominiert wird, befinden sich riesige Felsboegen, die gegen den strahlend blauen Himmel natuerlich ein schoenes Fotomotiv abgeben.

Abends wollten wir nun noch ein Feierabendbier geniessen, wunderten uns schon, dass es hier in der Stadt nicht eine einzige Bar gibt und landeten schliesslich in einer Burgerbraterei. Unsere Frage nach einem alkoholischem Getraenk war dem Kellner komischerweise sehr unangenehm. Als ob wir nach dem ortlichen Strassenstrich gefragt haetten. Irgenwann stammelte er, dass in diesem Landstrich der Alkoholausschank in Kneipen generell verboten ist.

Naja, gaben wir uns halt mit einer Dr.Pepper-Diaet-Cola zufrieden ...
Datum: 13.11.2008 04.57 Uhr


 

 

San Francisco

Es ist ja nun bereits der vorletzte Tag, Zeit ein wenig Bilanz zu ziehen. In 2 Dingen haben wir uns bei der Reisevorbereitung ordentlich verschaetzt: dem Wetter und den Internetzugaengen. Wir haben in den Rocky Mountains RICHTIG Winter erwartet und hier in Californien ewigen Sommer. Wir hatten zwar Schnee auf dem langen Weg von Chicago nach Las Vegas und in Las Vegas waren tagsueber auch T-Shirt-Temperaturen und waermer, aber die ganz warmen und die ganz kurzen Klamotten haetten wir doch in Deutschland lassen koennen.

Und die Internetzugaenge gibt es eigentlich ueberall hier in Amerika, auch umsonst - aber nur drahtlos fuer das Laptop, das man bei hat. Und wenn man so wie wir laptoplos faehrt, kann man harte Dollar fuer wenige Minuten Onlinezeit ausgeben. Wenn man dazu ueberhaupt eine Gelegenheit findet! Daher die wenigen Eintraege.

Ansonsten haben wir - unserer Meinung nach - mit dem Zeitplan vieles sehr sehr richtig gemacht. Wir haben alles gesehen, was wir wollten, so ausfuehrlich wie wir wollten und darueber hinaus uns auch Erholungszeit genommen.

Nach dem Arches-Nationalpark ging es zum Grand Canyon (doch eindrucksvoller als ich urspruenglich glaubte), dann ueber den Hoover-Damm nach Las Vegas. Dort verbrachten wir 3 Naechte, am letzten Abend besuchten wir die Cirque-du-Soleil-Beatles-Vorfuehrung, die, darin sind wir uns eingig, eine der visuell aufregendsten Shows war, die wir je sahen. Um nicht zu sagen, die aufregendste Show. Man wusste gar nicht, wo man hischauen sollte, 90 Minuten ein Knaller nach dem anderen bzw. meistens waren 2 oder 3 Knaller gleichzeitig auf der Buehne. Genial!

Ueber den Walk of Fame in Los Angeles ging es ueber den Highway 1 (eine atemberaubende Kuestenstrasse) nach San Francisco. Die schauen wir uns nun heute an. Morgen fliegt dann Thomas nach Berlin, uebermorgen ich dann. Vielleicht melden wir uns ja nochmal.

So, bis dahin, meine 10 Dollar Internetzeit sind mal wieder vorbei!

Datum: 20.11.2008 19.08 Uhr