Reise-Tagebuch
Tansania, ich komme! - wohl etwas später!
Viele Grüße aus der Hauptstadt - nicht etwa einer afrikanischen, sondern der deutschen!
Ich sollte und wollte jetzt eigentlich gerade die dritte Wiederholung irgendeines Actionfilmes sehen, während eine hübsche KLM-Stewardess mir das Mittag serviert und mich fragt, ob sie mir noch einen Wodka/O-Saft bringen darf oder es doch lieber wieder der Cola-Whisky von vorhin sein soll, aber nein, stattdessen sitze ich hier in einem Internetcafe am Bahnhof Zoo in Berlin und vertreibe mir die Zeit mit Internetsurfen.
Dabei bin ich heute morgen pünktlich um viertel vor 2 aufgestanden, wurde von meinen Eltern+Hund (Danke!) zum Flughafen Tegel gefahren, um den 6-Uhr-Flug nach Amsterdam mit der Fluggesellschaft KLM zu erwischen. Von dort aus wäre es um 10:30 weiter nach Arusha (Tansania) gegangen. Ankunft gg.20:00 Uhr.
Aber ein Blick um kurz nach 4 Uhr auf die Anzeigetafel zeigte, dass der Flug nach Amsterdam gestrichen wurde, weitere Informationen am KLM-Schalter. Der war bis kurz vor 5 Uhr zu und ich ein Teil der langen Schlange genervter Reisender. Zum Glück ziemlich weit vorne. Als er dann aufmachte bediente eine einzige KLM-Mitarbeiterin nach und nach jeden Reisenden. Flüge wurden umgebucht, manchmal auf andere Fluggesellschaften verteilt, manchmal auch einfach um ein bis zwei Tage verschoben!
Niemand sagte den vielen wartenden und genervten Reisenden, warum denn nun der Flug ausfiel. Aber eine Dame vor mir erzählte, dass dies ihr dritter Flug mit KLM sei, und zum dritten Mal auch der Flug gecancelt wurde. Angeblich wegen Motorschaden. Beim zweiten Mal klagte sie dagegen, aber ihr Anwalt erhielt keine Einsicht in die Logbücher des technischen Services. Offensichtlich läßt KLM bei Nichtauslastung einfach Flüge ausfallen, und so ist es für mich auch kein Wunder, dass ich nun umgebucht wurde auf morgen, denselben Flug mit demselben Anschluß (offentlichtlich war der morgige Flug auch alles andere als überfüllt).
Alles in allem eine wirklich schwache Leistung von KLM. Sowohl die Flugstreichung, als auch die unmögliche Abwicklung danach. Ich war ja noch ziemlich weit vorne, die letzten in der Schlange werden sicherlich weit mehr als 2 Stunden gewartet haben.
Auf meine Frage an die bemitleidenswerte KLM-Mitarbeiterin am Schalter, ob der Flug morgen denn wieder ausfalle, antwortete sie mir nur: "Hoffentlich nicht, morgen habe ich wieder die Frühschicht.".
Bis bald, ich genieße zunächst das verregnete Berlin, meine Mutter meinte nur, dass wenn eine Reise so anfängt, alles weitere glatt gehen muss, wir werden sehen - RUE
PS: Noch schlimmer erging es meinem Mit-Elbrus-Gipfelstürmer Enno letzte Woche auf seinem Flug nach Hongkong. Wer die Story mal lesen möchte: http://blubbfred.bl.funpic.de/index.htm mehr ...
Datum: 15.02.2007 13.10 Uhr
Gruss aus Uganda
Nachdem der Flug am Freitag frueh dann geklappt hat, war ich abends in Tansania am Kilimanjaro Airport. Ein Taxi nach Moshi (auf der Karte die Nummer 1) war dann auch bald gefunden und gegen 23:00 Uhr war ich dann in der Stadt am Fusse des hoechsten freistehenden Berges der Welt.
Die Hotelsuche gestaltete sich wesentlich schwerer als gedacht. Nach 3 ausgebuchten Hotels halfen mir dann 2 Einheimische mit Jeep und nachdem wir in 3 weiteren anfragten fand sich dann auch ein, sogar sehr gutes und freies Zimmer. Die beiden Helfer waren nicht von ungefaehr der Chef und seine rechte Hand eines Reisebueros mit Namen "Tin-Tin-Tours" (zu deutsch also Tim und Struppi-Touren". Mit dem Chef besprach ich dann noch die Buchungsdetails in derselben Nacht, zwei Comicfreunde wurden sich schnell einig.
Am Sonnabend frueh besuchte ich ihn noch in seinem Buero, von dort holte mich der Bus nach Nairobi(Kenia) (auf der Karte die Nummer 2) ab.
Gegen 19:00 war ich dann in Nairobi, der derzeit wohl gefaehrlichsten Stadt Afrikas. Diesen Titel bekommt man nicht einfach so, den muss sich Kenias Hauptstadt Woche fuer Woche mit Autoentfuerhungen, Schiessereien und Raubueberfaelle hart erarbeiten. Von den Einheimischen wird sie denn auch in Anspielung auf das englische Wort fuer Ueberfall "NaiRobbery" genannt.
Nicht alle Stadtteile sind gefaehrlich, die touristisch genutzten nicht so sehr am Tage, der Busbahnhof bei Nacht gehoert aber schon dazu. Insofern war ich froh denn auch das letzte(!) Ticket nach Uganda bekommen zu haben. Um 22:00 Uhr sollte es losgehen, es gab wieder viel Wirbel und Konfusion, aber um es kurz zu machen: ich war einer der gluecklichen die dann ihr Ticket kostenfrei in einen Sitzplatz fuer den Bus tauschen konnten, der dann wirklich fuhr.
Heute kam ich dann mittags in der Stadt Jinja (Uganda, auf der Karte die Nummer 3) an, da wo aus dem Vikoriasee der Nil heraustritt. Bekannt ist die Stadt dafuer, dass es hier das weltbeste Wildwasser-Rafting der Welt gibt und einer der besten Kajak-Wildwasser-Touren der Welt. Letzteres allerdings nur fuer echte Profis. Da ich das nicht annaehernd bin, habe ich fuer morgen Wildwasser-Rafting angemeldet.
Ansonsten ist Uganda wirklich eine grosse Ueberraschung: nett, ruhig, huebsch, ... Hoffentlich bleibt der Eindruck so.
Wir werden sehen ...
PS: der Link hier fuehrt zu der Karte. mehr ...
Datum: 18.02.2007 15.07 Uhr
Erdbeben, Wasserrafting undd Nilbier
Heute Nacht wachte ich von einem komischen Wackeln und Ruetteln auf. Es ging eine ganze Weile und ich dachte erst, dass es im Nachbarzimmer heftig getrieben wird, sodass es sich bis in mein Zimmer uebertraegt. Naja, vielleicht ziemlich ungewoehnlich, aber man hoert ja Wunderdinge von der Potenz afrikanischer Maenner ...
Das Ruetteln hoerte nicht auf und ueber dem Gedanken, dass ich ja auf einem Steinfussboden schlief, das Bett weitab von der Wand unter dem Moskitonetz steht, dass also eine Uebertragung von Schwingungen aus dem Nachbarzimmer doch ziemlich unmoeglich ist, schlief ich dann ein paar Minuten wieder ein - man hat ja Wunderdinge gehoert, von der Potenz afrikanischer Maenner ...
Heute morgen komme ich dann bei dem Wasserrafting an, und die Amerikanerin hinter dem Tresen fragt mich ganz entzueckt, ob ich das Beben heute Nacht gespuert haette. Staerke 5,6, Epizentrum war gar nicht weit weg in Uganda. Also ein richtiges grosses Erdbeben! (mehr Infos unter http://www.iris.edu/seismon/last30days.phtml, unten habe ich mal einen Link zur Erdbeben-Karte hinzugefuegt)
Nachdem ich mein erstes Erdbeben ueberlebt hatte, konnte Wasserrafting mir nicht mehr anhaben. Insgesamt waren auf unserer Strecke 3 Wasserfaelle des fuenften Schwierigkeitsgrades, und eine ganze Reihe mehr der Grade 3 und 4. Grad 6 ist fuer Boote nicht mehr machbar und lebensgefaehrlich. auf der Strecke lagen auch 2 Faelle des Grades 6, die wir umschifften, ein hollaendischer Raftingfuehrer meinte neulich wohl mal doch eine Linie durch die schaeumenden Wassermassen zu sehen, kenterte und ward nie wieder gesehen.
Beim ersten Grad4-Waserfall fiel ich dann auch gleich aus dem Boot heraus, kam dann unter dem Schlachboot das erste Mal hoch, dann ging es durch den dahinterliegenden Wasserfall und irgendwann nach 15 endlosen Sekunden konnte ich wieder einen Atemzug machen. Ich halte mich fuer einen sehr guten Schwimmer, aber ohne Rettungsweste waere es das gewesen.
Meine ueberwiegend amerikanischen Mitrafter verlieren mir eine Tapferkeitsmedaille, die ich ihnen beim naechsten Grad5-Wasserfall zurueckgab: das ganze Boot drehte sich um, es dauerte lange, bis wir alle im Nil schwimmend wieder zusammenfanden , die Paddels einsammelten und das Boot wieder gedreht hatten.
Und so ging es weiter, ein toller Tag, bis die Bootsfuehrerin nebenbei bemerkte neulich ein Krokodil gesehen zu haben, naja, jedenfalls ging es anschliessend fuer mich nach Kampala (auf der Karte die Nummer 4), Ugandas-Hauptstadt und nun sitze ich hier am kostenlosen Internetzugang einer Herberge und warte darauf, dass endlich jemand hier zur Rezeption kommt, damit ich einchecken kann .
PS: In Janja ist nicht nur die Quelle des Nil-Wassers sondern auch die des Nil-Bieres. Als Nicht-Bier-Trinker stiess ich dennoch mit meinen Mitraftern mit einem an, auf Afrika, schmeckt gar nicht so schlecht, ...
Datum: 19.02.2007 19.21 Uhr
Gorillatracking und Sonnencreme
Also heute habe ich hier in Kampala (die Nr.4. auf der Karte die UWA besucht, die Wildtierbehoerde Ugandas. Die verkauft die streng limitierten Tickets fuer das Gorillatracking fuer die Nationalarks, die sich eine halbe Tagesreise von hier entfernt befinden.
Darin angekommen sagte man mir zunaechst, dass fuer Februar alles weg sein, Mitte Maerz haetten sie einen Termin, Ende Maerz noch einen . Daraufhin sagte ich ihnen, dass in 10 Tagen mein Flug zurueck geht und nachdem die beiden Mitarbeiter dann dort ein paar Akten und Buecher waelzten, fand sich ein Termin fuer naechste Woche Dienstag.
Offensichtich versucht man die Touristen solange wie irgend moegich mit dem Koeder Berggorilla im Lande zu halten, was bei mir insofern nicht funktioniert, als dass ich die Woche nutze und nach Ruanda reisen werde. Morgen frueh habe ich einen Bus nach Kigali (der Nr.5 auf der Karte).
Ansonsten habe ich beim Waserrafting gestern meine Sonnencreme vergessen. Sie ging in der Safetybox zurueck nach Jinja, waerend ich ja gleich den Bus weiter nach Kampala genommen habe. Also beschloss ich heute welche zu kaufen.
Allerdings merkte ich heute schnell, dass , weil der Durchschnitts-Ugander ja nicht nur ausserst sympathisch, sehr zuvorkommend, sondern auch schwarz wie eine Neumondnacht ist, dass er deshalb sehr wenig Bedarf an Sonnencreme hat , und insofern wegen der geringen Nachfrage auch ein sehr geringes Angebot besteht bzw. KEIN Angebot an Sonnencreme besteht.
Also rief ich von der meiner Herberge aus bei der Wasserrafting-Agentur in Jinja an, und ich will hier gar nicht darlegen, durch wieivel rabenschwarze helfende Haende meine Sonnencreme ging, jedenfalls kam sie hier vor eine Viertelstunde an. Ich wollte dem letzten Glied in der Kette der vielen Boten ein Nil-Bier ausgeben, aber er lehnte vehement ab.
Datum: 20.02.2007 19.28 Uhr
Erster Eindruck von Ruanda
Gestern habe ich noch den endlosen Busritt bis nach Kigali geschafft, der Hauptstadt Ruandas.
Abends schaute ich mit einer ganzen Horde einheimischer Liverpool-Fans die Championsleague an, da ich keinen Bus weiter in den Sueden bekommen habe. Mein erster Eindruck: ein schoenes Land, sehr bergig, man nennt es auch die Schweiz Ost-Afrikas (obwohl ich mich nicht erinnern kann, dass die Schweiz so viele Vulkane hat), nette Leute, nur ist - im Gegensatz zu Uganda - die Hauptsprache Franzoesisch und nicht Englisch wie in Uganda. Das macht Dinge manchmal komplizierter.
Nun bin ich hier auf dem Weg Cyangugu, an der kongolesischen Grenze. In der Stadt hier, wo ich den Minibus wechseln muss, habe ich dieses Internetcafe gefunden, und kaum habe ich den Euro fuer die Stunde Internet bezahlt, fuellt sich der Laden und alle surfen auf meine Kosten mit. Die dadurch gegen Null tendierende Geschwindigkeit erzeugt bei mir ein ziemlich langes Gesicht.
Ich freue mich jedoch schon auf deren lange Gesichter, wenn ichgleich aufstehe und weiterfahre! ;-)
Datum: 22.02.2007 10.18 Uhr
Kongo, Ringstorff und der Hunger in Afrika
Ich sitze jetzt hier im Internetcafe in Gisenyi (Ruanda) am See Kivu (auf der Karte die Nummer 7). Der See Kivu ist ein See vulkanischer Herkunft zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda. Auch wenn es DER Rueckzugsort reicher Ruander ist, sollte man nicht unbedingt hier irgendwo an einem schoenen einsamen Strand baden gehen, weil vulkanische Gase aufsteigen und sich an der Oberflaeche sammeln, und in Abwesenheit von Wind kann man waehrend des Schwimmens ersticken. Dort wo die Einheimischen baden ist alles OK, und ansonsten ist diese Kuestenregion mit den schoenen Straenden ziemlich praktisch, liegt doch das naechste Meer mehr als drei Bus-Tagesreisen entfernt.
Vorgestern bin ich in Cyangugu (Nummer 6) abends angekommen, dieser Ort liegt ebenfalls an dem See Kivum allerdings am anderen, am suedlichen Ende.
Erstaunt und fasziniert war ich, dass die Unterkunft meiner Wahl direkt an dem Grenzfluss zum Kongo lag. Auf der Terasse des Hotels sass man keine 100 Meter vom kongolesischen Ufer entfernt. Ich traf dort zwei weitere Mzungus (weisse Maenner), der eine Suedafrikaner, der andere Englaender, die fuer eine riesiges Bauprojekt in Ruanda 40.000 qm Steinfussbodenbelag suchten. Und in der Naehe Cyangugus soll es so einen besonderen farbigen Stein geben. Spaeter kamen dann die beiden schwarzen Manager des Steinbruchs, mit LA-Lakers T-Shirt und Sandaletten und man sprach gemeinsam ueber Auftraege im Werte von 800.000 US$!!! Ich durfte am Tisch sitzen bleiben, man lud mich mit ein auf ein paar Drinks, spaeter sprach man dann noch ueber Mahagoni-Tueren die die beiden fuer einen Spotpreis im Kongo besorgen koennen (pro Tuer ca. 12 US$). Es war sehr unterhaltend und interessant.
Am naechsten Tag fuhr ich in den Nyungwe-Wald-Nationalpark. Eigentlich sehr huebsch, aber um 20 gelangweilte Colobus-Affen auf den Baeumen bei Regen anzuschauen, dafuer war der ganze Aufwand einfach zu hoch.
Dafuer faszinierte mich die Demokratische Republik Kongo. Ich zog Erkundungen ein (bei diesen beiden Bauleuten, Hotelier, Taxifahrer, ...) und alle schauten mich erstaunt an, wenn ich die Frage stellte, ob die DR Kongo sicher sei. So, als ob ich gefragt haette, ob morgen frueh die Sonne wieder aufgeht. Und verlockend war der Gedanke schon, einfach im Kongo eine Faehre zu nehmen, fuer den ganzen Weg, den ich in Ruanda engedraengt im Minibus zuruecklegen musste.
Also ging ich heute frueh von meinem Hotel ueber die Holzbruecke in die DR Kongo. Die DR Kongo ist weder demokratisch noch eine echte Republik ist, aber der Herr Praesident Mugabe schaut immer sehr nett von den Postern, er erinnert mich dabei ein wenig an die Wahlkampfplakate von Herrn Ringstorff. Nicht dass ich unseren lieben Landesvater nit ihm jetzt hier verglichen haette, ich sagte nur, dass die fuersorgliche Art und Weise, wie Herr Mugabe auf sein Volk schaut mich an Ringstorffs Wahlkanpfplakate erinnerte.
Meine Eindruecke vom Kongo sin noch zu frisch, um sie wiederzugeben, aber eine kuriose Begnung will ich noch mitteilen: als ich auf die Faehre wartete, lernte ich einen schwarzen Geschaeftsmann kennen. Er half mir bei dem Einchecken. Wir kamen ins Gespraech, ich fragte ihn immer mehr aus und er erzaehlte bereitwillig und gut gelaunt. Also seine Familie lebt in Belgien ca. 20km von Pasewalks Partnerstadt Halen entfernt. Er hat aber einen kongolesischen Diplomaten-Pass, was einfach praktischer ist. Er verkauft irgendein Mineral fuer die Handy-Industrie (er wusste dass Wort dafuer auf Englisch nicht), laesst es fuer 2,50 EUR pro Kilo aus den Minen holen, wuerde dafuer im Kongo 5 EUR bekommen, vekauft es aber nach Kenia fuer 35 EUR, und die verkaufen es nach China und Taiwan.
Ausserdem ist er der Praesident des zentralafrikanischen Volleyballverbandes!!! Er veranstaltet in 2 Wochen die zentralafrikansichen Meisterschaften. Daher hat er auch einen Diplomatenpass. Seine Schwester, die nachher auch noch kam, arbeitet fuer die Regierung mit der UN zusammen. Ach ja, und Praesident Mugabe kennt er persoenlich, er ist mit ihm und seiner Politik hochzufrieden (kein Wunder) und das naechste Mal sieht er ihn in 2 Wochen bei den zentralafrikanischen Volleyballmeisterschaften.
Am Ende der 2-stuendigen Bootsfahrt wartete das Staedtchen Goma (auch Nummer 7), das kongolesischen Pompeii, welches im Januar 2002 von Lawa verschluckt wurde. Ueberall in der Stadt wird derzeit neu gebaut, aus Lawa-Gestein (was sonst) verschluckt wurde.
Nun waere es schoen gewesen, wenn ich morgen von Goma aus direkt nach Kisoro (Uganda, die Nummer 8) haette fahren koennen. Ein Katzensprung von nicht einmal 50km und ich waere direkt bei den Berggorillas Ugandas gewesen, fuer die ich am Dienstag ein Ticket habe. Aber die letzten 7km vor der Grenze gelten als nicht sicher, ich habe doppelt und dreifach gecheckt, viele sagten mir, dass es in letzter Zeit keine bis wenig Zwischenfaelle gab, aber die Strecke ist unbewacht und daher riet man mir davon mehrheitlich ab.
Also biss ich in den sauren Apfel, und mache nun den langen Weg unten herum durch Ruanda. Wenn ich Glueck habe, schaffe ich es morgen in einem Tagesritt, ansonsten habe ich den Montag auch noch zur Verfuegung.
So, es faengt hier gleich wieder an zu regnen, ich werde zurueck ins Hotel, Emails kann ich hier heute nicht lesen, die Verbindung ist einfach zu langsam.
PS: Habe ich eigentlich schon geschrieben, dass der Hunger hier in Afrika grausam und schlimm ist? Jedenfalls habe ich hier pro Tag maximal 2 Mahlzeiten, weil die Organisation jeder Kleinigkeit soviel Zeit und Muehe macht, dass ich heute mal wieder jetzt abends meine erste Mahlzeit zu mir nehme. Dafuer ist das Essen in Ruanda sehr gut, dass ist aber auch das einzig positive vom franzoesischen Einfluss.
Datum: 24.02.2007 16.50 Uhr
Berggorillas
Ich bin jetzt doch an einem Tag bis nach Kisoro (Uganda, die Nummer 8 auf der Karte) gekommen, dem Ausgangspunkt meines Gorillatrekkings.
Es leben auf der Welt derzeit nur noch ca. 650 Berggorillas, die nicht nur durch Wilderer bedroht sind (um an ein gut verkaeufliches Baby zu kommen, muss man einige ausgewachsene Gorillas erschiessen), sondern auch durch die Einengung des Lebensraumes und Krankheiten. Alle diese Gorilla leben in 2 Nationalparks, der eine , den ich besuchen werde, im Sueden Ugandas, der andere noch weiter suedlich im Dreilaendereck Ugandas, Rundas und der DR Kongo.
In jedem Park der beiden Parks gibt es wenige an Menschen gewoehnte Gruppen, die dann pro Tag von 6 bis 8 Besuchern besucht werden duerfen. Das Permit (also die Erlaubnis) musste ich in Uganda in dem Buero der UWA (Uganda Wildtier-Behoerde) kaufen, in Ruanda waere alles schneller gegangen, im Kongo kann man derzeit von heute auf morgen Gorillas sehen (gut bewacht von 30-50 kongolesischen Soldaten). Haette ich das gewusst, dann haette ich den Aufwand hier in Uganda nie betrieben.
Das Permit kostet derzeit 375 US$ !!!!!
Ich haette darueber nie nachgedacht, wenn nicht der Dollarkurs derzeit so guenstig waere. Ausserdem wird der Preis im Sommer auf 500US$ angehoben. Die Nachfrage in Uganda und Ruanda ist sehr hoch, und wenn die Japaner und Chinesen Berggorillatrekking erst mal entdeckt haben, dann koennen die hier locker 1000 Dollar nehmen und haben immer noch Wartelisten. Das Angebot ist eben stark begrenzt.
Ich muss Dienstag frueh am suedlichen EIngang des Nationalparks um 7:30 Uhr auftauchen, ca. 30km von hier auf einer nicht existierenden Strasse. Ich hoffe uebermorgen mich in das Auto einer Gruppe aus Kampala setzen zu koennen, ansonsten habe ich morgen noch ein An- und Abfahrtsproblem zu loesen.
Wenn ich dort auftauchen und Durchfall, Husten, Schnupfen oder Fieber habe, dann wird mich der Parkwaechter aus der Gruppe herausnehmen, ich bekomme aber mein Geld zu 100% zurueck. Eine Uebertragung menschlicher Krankheiten kann bei Menschenaffen Epidemien ausloesen und soll unbedingt vermieden werden.
Wir marschieren maximal 10 Stunden durch den Regenwald, sollten wir keine Gorillas sehen, so bekommen wir das geld zu 75% zurueck. Falls wir die Gruppe treffen, so duerfen wir maximal 1 Stunde mit den Gorillas verbringen, dann geht es zurueck.
Regensachen, Essen, Wasser ist mitzubringen, sollte man aufs Klo muessen, so graebt der Fuehrer ein Loch und macht es auch anschliessend ordnungsgemaess wieder zu, Abfaelle duerfen nicht zurueckgelassen werden - alles um Krankheitsuebertragungen zu verhindern.
Sobald wir Gorillas sehen muessen wir leise sein, Fragen an den Fuehrer duerfen aber leise gestellt werden, kein Blitzlicht darf benutzt werden, ein Abstand von 5m ist einzuhalten und die Achter-Gruppe sollte immer eng zusammenstehen. Falls der Silberruecken, der maennliche Anfuehrer der Gorillagruppe, Drohgebaerden macht, darf man ihm nicht in die Augen schauen und auf keinen Fall davonlaufen.
Festes Schuhwerk, Regensachen, usw. ist selbstverstaendlich, ach, und falls man aus irgendeinem anderen Grund ausser Durchfall, Schnupfen, Husten nicht auftaucht, dann ist das Geld weg. Zu 100%! Die Regeln sind hart.
Ich fuer meinen Teil habe seit Tagen einen Pullover mehr an als notwendig, habe mich im Bus immer von verschnupften Passagieren und offenen Fenstern entfernt gehalten, habe bestimmt 10 Liter mehr ausgeschwitzt und wieder kaufen und trinken muessen als notwendig, alles nur um uebermorgen Berggorillas zu sehen.
Das Erlebnis soll toll sein, ich bin erstaunt wieviele Traveller, die sonst wirklich nie mehr als 4 Dollar fuer ein Bett und einen Dollar fuer eine Mahlzeit ausgeben, wieviele solcher echter Low-Budget-Travller das teure Gorillapermit gekauft haben und es nicht bereut haben.
Ich fuer meinen Teil werde wohl, im Falle des Nchtsichtens von Gorillas, die 75% nehmen und es im Kongo nochmal versuchen. Im Kongo sind die Preise bei nur 240 US$, angesicht der wenigen Touristen. Allerdings ist die Kilimanjaro-Besteigung dann aus Zeitgruenden nicht mehr moeglich, egal, das ist es mir Wert!
Gruesse an alle - Ruediger
Datum: 25.02.2007 15.25 Uhr
BILDER
Wenn ihr mal ein paar Bilder sehen wollt: mehr ...
Datum: 26.02.2007 11.23 Uhr
Der Plan fuer die naechsten Tage
So, heute war mein Ruhetag. Wobei der Ruhetag darin bestand, dass ich das ein Busticket fuer Donnerstag von hier nach Kampala (Ugandas Hauptstadt, die Nr.4 auf der Karte) organisierte, per Telefon eine Reservierung des Nachtbusses von Kampala ueber Nairobi nach Arusha machte (das schwierigste war hier in der Stadt ein Telefon mit ueberregionaler Verbindung zu finden!), Souvenirs kaufte, versuchte Postkarten aufzutreiben (keine Chance!), Geld tauschte, fuer Mittwoch eine Vulkan-Besteigung organisierte und Wasser und Essen fuer morgen (Gorillatour) und die Vulkanbesteigung (Mittwoch) kaufte. Und denen von Tin-Tin-Tours schrieb ich noch, dass ich am Sonnabend nachmittags in ihrem Buero aufschlage und ab Sonntag es mit der Kili-Besteigung losgehen soll.
Mittagessen fiel mal wieder aus.
Ach ja, rasiert habe ich mich auch noch, damit ich vom Gorilla nicht als neues Weibchen in der Gruppe begruesst werde. Das koennte naemlich schmerzlich werden. Allerdings laufe ich jetzt eher in die Gefahr, dass es mir so geht, wie der weissen Frau in King Kong. Wir werden sehen.
Durch die reservierten Busverbindungen habe ich den eigentlich als Sicherheitstag gedachten Mittwoch nun gewonnen und will einen Vulkan hier in der Gegend besteigen. 4200m hoch, mit Kratersee, das letzte Stueckchen zu Kraterrand mit Leitern - das wird nicht einfach. Ein Guide wartet am Mittwoch frueh um 7:30 Uhr am Parkeingang.
Ansonsten nur noch schnell etwas zur Sicherheitslage hier in Uganda (gilt aber auch fuer Ruanda), weil es in einigen Emails dazu Zweifel gab: also gestern habe ich mir in einem anderen Hotel von der englischen Premierleague das Spiel Arsenal gegen Chelsea angeschaut, zusammen mit ein paar Einheimischen und einem Schweden. Anschliessend hat es mal wieder ordentlich geregnet. Es wurde dunkel und den Weg in mein Hotel musste ich in dieser stockfinsteren Stadt finden. Viele EInheimische kamen entgegen. Wenn die merkten dass man Mzungu (weisser Mann) ist, dann kriegt man ein "Hello!" oder "How are you?". Dennoch war es nicht ungefaehrlich - die Strasse war nass und voller Schlagloecher, ein Stolpern im Dunkeln haetten alle Plaene der Gorillatour und Kilibesteigung zu nichte machen koennen.
Datum: 26.02.2007 17.15 Uhr
Gorillas
Hier in Kisoro schlafe ich in der Herberge, die Dian Fossey ("Gorilla im Nebel") ihr zweites Zuhause nannte. Da in diesem "Travellers Rest House" fast alle Gorillabesucher uebernachten. war fuer mich die Chance am hoechsten eine Mitfahrgelegenheit zum Gorilla-Nationalpark zu bekommen. Es sind zwar nur 18km dahin, aber man muss um 7:30 Uhr dort sein und die Fahrt dauert fast 90 Minuten, es geht ueber Stock und Stein. Daher kostet die An- und Abfahrt dann auch nochmal ca. 60 US$.
Die Herbergsbetreiber vermittelten mir dann auch den Kontakt zu zwei Australiern, die sich in der Hauptstadt einen allradbetriebenen Minibus samt Fahrer gemietet haben. Die beiden hiessen Andrew und David, waren in etwa in meinem Alter und treiben sich hier in Ostafrika bis Ende Maerz herum.
Am naechsten Tag sollte es um 6:00 Uhr losgehen. Um 4:30 Uhr klopfte es an meine Tuer, offensichtich um mich wach zu machen. Waehrend ich mich auf die andere Seite drehe und mich fuerchterlich darueber aergere, dass man mich so frueh ungebeten versucht zu wecken, faellt mir ein, dass mein Wecker ja noch auf ruandischer Zeit steht, und daher es ja nun allerhoechste Zeit ist.
Aufstehen, Zaehneputzen und Sachen packen war eins und drei Minuten spaeter traf ich Andrew und David beim Fruehstueckessen. Nochmal gut gegangen.
Um 7:30 Uhr bekamen wir unser Briefing am Parkeingang. Neben uns Dreien waren drei Englaender und ein indisches Ehepaar aus Bombay gluecklicher Besitzer von Treck-Erlaubnis und hinreichender Gesundheit. Der Parkwaechter empfahl uns allen einen Traeger, weil es ein harter Weg zu den Gorillas und zurueck sein wird.
Hin zu den Gorillas war einfach: insgesamt gingen wir vielleicht 2 Stunden durch relativ wegsames Gelaende, meistens bergab, nur zum Ende hin wurde es ziemlich steil und durch dornige Pflanzen hindurch. Ein Grupper von Trecker (Gorillasucher) teilte unserem Guide per Sprechfunk immer mit, wohin wir zu gehen haetten, also wohin sich die Gorillagruppe gerade bewegt.
Das Gorillaerlebnis war schon toll: wir standen mitten in der Gruppe, konnten aber immer nur ein oder zwei Tiere beobachten, da dickes Buschwerk keine Armlaenge Sichtweite zuliess. Die Trecker beseitigten dann auch immer vorsichtig und langsam das Buschwerk und dann sah man eben den Anfuehrer, den Silberruecken, langeweilt auf seinem silbernen Ruecken liegen und Blaetter vom Busch ueber ihm pfluecken und verspeisen. Er war maximal 2 Meter entfernt. Fantastiasch! Dann kam ein Weibchen auf dem von uns niedergetreten Weg daher, stoppte eine Armlaenge von uns entfernt und wunderte sich darueber, dass wir nicht weitergingen.
Die eine Stunde war nach gefuehlten 10 Minuten vorbei und es ging ueber einen anderen Weg zurueck zum Wildtierbuero.
Dieser Rueckweg dauerte ca. 4 Stunden durch bergiges, aber nicht allzuschweres Gelaende. Nach einer Stunde fragten die beiden Australier und ich, ob wir die Gruppe nicht aufteilen koennen, da die Inder solange brauchten, und wir jedes Mal eine halbe bis dreiviertel Ewigkeit warteten.
Man gab unserem Draengen nach und mit 2 Guards gingen wir vor. Zwischendurch kauften die noch fuer ca. 25 Eurocent 4 Ananas von den 2 sofort auf einem grossen Bananenblatt geschaelt und verspeist wurden. Irgenwann kamen wir zur Strasse und warteten dann dort umringt von vielen Einheimischen. Die Englaender kamen nach ca. 30 Minuten, ueber die WalkiTalkis der Guards bekamen wir mit, dass Einheimische mit einer Trage losgeschickt wurden, weil die indische Frau gar nicht mehr gehen konnte und aus Erschoepfung total verkrampft.
Ich erzaehlte den Australiern, dass ich heute den Vulkan in Angriff nehmen wollte. Sie waren begeistert, fragten ihren Fahrer, ob die morgige Rueckfahrt um eine Vulkanbesteigung verschoben werden koenne und schlossen sich mir an.
Datum: 28.02.2007 16.27 Uhr
Warum ich heute die Zeit von 11:07 bis 12:07 nackt in dem eis-eis-eiskalten Wasser eines Vulkankratersees verbrachte
Heute frueh stand ich dann puenktlich mit einer richtig gestellten Uhr um 5:30 Uhr auf, und traf die Australier wieder beim Fruehstueck.
Es ging zu dem Vulkan-Nationalpark. Dieser liegt im Kongo, Ruanda und ein kleines bisschen in Uganda, das ist auch der, in dem die anderen Berggorillas sich befinden. Der von uns auserkorene Vulkan ist ein erloschener, 4127 Meter hoch, mit einem kleinen Kratersee, der genau auf der Grenze von Ruanda und Uganda liegt.
Der Aufstieg ist mit 5 Stunden angegeben. Die beiden Australier stareten sehr schnell, ich hatte durchaus Muehe mitzukommen, doch schon vor dem ersten von zwei Restingpoints bekam David Kraempfe im Oberschenkel. Die durchaus fordernde Wanderung gestern und die sehr direkte Aufstiegsroute von 1500m auf 4127m forderten ihren Tribut. Auch ich bekam meine ueblichen Kopfschmerzen ab ca. 3800m Hoehe, so wie bei der ersten Kili- und der Elbrus-Bestiegung. Aspirin half!
Wir kamen nach etwas mehr als 4 Stunden oben an, die Sonne schien, weil wir ueber den Wolken waren, und das war auch der Grund, warum wir keine Aussicht auf die Landschaft 4000m unter uns hatten. Dafuer konnten wir aber die 100m um den Vulkankrater herum gehen - und betraten und verliessen Runda und Uganda nach belieben, weil ja schliesslich die Grenze genau ueber den Vulkankegel verlief.
Irgendwann kamen Andrew und ich auf die Idee ein Bad zu nehmen. Nachdem wir uns bei den Bergfuehrern versichtert hatten, dass weder Monster noch Schlangen noch feindliche Bakterien auf uns warteten (woher wussten die das eigentlich?, von denen hatte noch niemand dadrin gebadet!). Ein Pole, der den Vukanaufstieg etwas nach uns startete, hatte ein Handtuch dabei. Waehrend Andrew eine Wechselhose zur Badehose umwidmete, sprang ich nackt hinein. Gefuehlte Temperatur Minus 5 Grad, tatsaechlich waren es wohl physikalschen Gesetzen in 4127 Meter Hoehe entsprechen irgendwas zwischen 3 und 5 Grad Celsius.
Aber wir schwammen durch den ganzen See durch (vielleicht 25 eiskalte Meter) und wieder zurueck, um die Grenze zwischen Uganda und Ruanda schwimmend zu ueberqueren. Wer kann das schon von sich sagen?
Und da zwischen Ruanda und Uganda eine Zeitdifferenz von einer Stunde war, schwommen wir in Uganda um 11:07 Uhr los und kamen in Ruanda um 12:07 und ein paar Sekunden spaeter an.
Den Weg zurueck, den Berg wieder runter, dauerte eine Stunde und 35 Minuten, die beiden Fuehrer, die wir mieten mussten waren von der Geschwindigkeit begeistert und freuten sich ueber einen fruehen Feierabend.
Mir tun meine Beine fuerchterlich weh, ich werde morgen und uebermorgen die Fahrt nach Tansania im Bus geniessen und nicht ein einziges Mal zwischendurch aufstehen oder mich bewegen, heute Abend esse ich 2 Huehner und ein halbes Schwein, bevor ich zum Hauptgang uebegehe, mein Gepaeck lasse ich morgen von 2 gemieteten Tragern tragen, die laengste Dusche meines Lebens habe ich schon hinter mir, und die Augen fallen mir auch schon fast zu.
Morgen um 5:00 Uhr holt mich der ueberregionales Bus in die Hauptstadt direkt von meinem Hotel ab! Gute Nacht!
Datum: 28.02.2007 16.41 Uhr
Bilder Gorillatrekking und Vulkanbesteigung
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Datum: 01.03.2007 16.18 Uhr
Als Schwarzfahrer zum Kilimanjaro
Nach dem Affenprogramm und der Vulkanbesteigung, musste ich am naechsten Tag wieder sehr sehr frueh aufstehen und war dann auch froh, dass diese Fahrt nach Kamapala (Ugandas Hauptstadt) 'nur' 10 Stunden dauerte.
In Kampala machte ich ausser viel, viel essen gar nichts weiter. Ein Pakistani, der fuer die UN in Ethopien arbeitet, sprach mich an, und dabei waren interessante Tipps fuer zukuenftige Reisen dabei. Einzelzimmer waren keine mehr frei, ich schlief im Schlafsaal, ging sehr frueh schlafen, hoerte die anderen aber nicht, als die nach und nach in den gemeinsamen Raum kamen. Ich war fix und fertig!
Gestern ging es dann um 13:00 Uhr los mit dem Luxus-Bus nach Arusha (Tansania). Das ist die Grossstadt, die 1 Autostunde von dem Ort der Kilimanjaro-Bestegujng entfernt liegt. Man sagte mir bei der telefonischen Reservierung, dass ich irgendwann um 11:00 Uhr in Arusha ankommen wuerde und der Luxusbus 75.000 ugandische Schillinge kostet. Luxus hoerte sich nach den Strapazen gut an und ich schlug zu.
Der ganze Bus voller Schwarze, nur eine Englaenderin ansonsten ausser mir, und die sass direkt neben mir am Fenster - da hatte ich nicht nur Luxus, sondern auch Unterhaltung. Sie arbeitete beim BBC, kuendigte und nahm nun ein Jahr Auszeit, reiste durch Thailand, Iran, Syrien, Libanon, Israel, Jordanien, Aegypten, Ethiopien und nun Ostafrika. Sie ist nun auf dem Weg nach Suedafrika, wo sie die Anstellung sucht, die sie vorher bei der BBC hatte.
Luxusbus hiess zunaechst, dass es zum Fahrtantritt eine Cola umsonst gab. Ehrlicherweise muss man erwaehnen, dass die Beinfreiheit auch - zum ersten Mal auf dieser Reise - ausreichend war, bis der Vordermann seinen Sitz zurueckstellte. Und es wurde ein Jan-Claude-van-Damme-Film gezeigt, allerdings nur auf dem vorderen Monitor, der hintere war kaputt. Leider haben Frauen fuer diese Art von Filmkultur wenig uebrig und so versuchte mir Trish (so hiess sie) immer ein Gespraech aufzudruecken. Wahrend des Filmes war mir das gar nicht recht.
Es fing an zu regnen, und es zeigte sich, dass der Luxusbus undichte Fenster hatte. Bei mir ging es, aber Trish wurde ziemlich nass. Andere Passagiere auch, aber irgendwie haben die ein anderes Schmerzempfinden. Erst nachdem Trish mit Nachdruck Dampf gemacht hat, wurde das Fenster notduerftig mit Zeitungspapier wasserdicht gemacht.
Es ging ueber normalen Strassen des kalten, kenianischen Hochlandes, und das staendige Ruetteln ueber die Buckelpisten liess die Fenster immer von selbst aufgehen. Wir alle hatten fuer die Nachtfahrt nun schon viel angezogen, aber dem ungebremsten staubigen Fahrtwind liess keinen Schlafen, in diesem Luxusbus. Zum Glueck regnete es nicht mehr.
Man sagte uns, dass in Nairobi der Bus gewechselt wird. Angeblich auf einen besseren, fuer die besseren Strassen in Kenia und Tansania. Fakt war dann aber, dass wir um 3:00 Uhr frueh alle aus dem Bus mussten, bis 7:00 Uhr warten mussten, und dann ging es in einem wesentlich engeren Bus mit weniger Beinfreiheit weiter. Dafuer waren die Fenster heil, aber es regnete ja nicht mehr und das kalte Hochland war bereits passiert.
Aergerlich war, dass niemand seinen Platz einnahm, der auf dem Fahrschein vermerkt war. So mussten Trish und ich lange diskutieren, bis wir einigermassen gute Plaetze bekamen. Dann fiel mir noch so ein Holzgefaess aus Hart-Edelholz waehrend des Schlafes auf den Kopf, Trish hatte das irgendwo gekauft und nicht ruettel-und-schuettelfest in der Gepaeckablage verstaut. Eine dicke Beule habe ich nun und weiss, wie hart Hartedelholz sein kann. Eine gusseiserne Pfanne waere mir lieber gewesen.
Irgendwann bekam ich mit, dass der Bus auch durch Moshi, meinem eigentlichen Zielort fuhr, und dort sogar noch hielt! Allerdings hatte ich nur bis Arusha gebucht. Von dort eine andere Transportgelegenheit bis nach Moshi zu finden haette viel Zeit gekostet und ich war muede, kaputt und wollte am naechsten Tag ja schon mit dem Kilimanjao-Trek starten.
Also beschloss ich einfach im Bus zu bleiben. Ich passte in Arusha auf, dass mein Gepaeck nicht ausgpackt wurde und blieb einfach im Bus sitzen. Was ich nicht bedachte, war die Tatsache, dass ja Passagiere zustiegen, und so stand eine Frau dann auch suchend herum, und wunderte sich, dass kein Sitzplatz mehr frei war. Auch der Schaffner wunderte sich. Mir kam dabei zugute, dass keiner, auch ich nicht, auf dem richtigen Platz sass. So kam die Frau auch nicht zu mir und wollte sich setzen, sondern zu demjenigen, der auf meinem eigentlichen Platz sass. Der Schaffner war zu faul, sich nun von jedem die Karten zeigen zu lassen und die Frau stand nun im Gang.
Bevor die Frau nun einen Aufstand macht und den Schaffner zu Dingen noetigt, die mich aus dem Bus geworfen haetten, griff ich zu einer List. Als Kommunalpolitiker lernt man so einiges! Unter anderem eben auch Unvermeidliches fruehzeitig zu akzeptieren und in einen Vorteil zu verwandeln. Also bot ich der Frau meinen Sitz an, und ging vorne zum Busfahrer und plazierte mich dort mit schoenem Blick auf die Strasse. Gleichzeitig legte ich noch eine falsche Faehrte, indem ich zum Schaffner und Busfahrer sagte, dass ich in den engen Sitzen sowieso nicht sitzen koenne, und daher der armen Frau gerne Platz mache. Bis Moshi ist es ja nur noch eine Stunde.
Ich bin ueberzeugt, dass die Geschichte, von dem hilfsbereiten Weissen, der einer armen schwarzen Frau in einem vollbesetzten Bus bereitswillig Platz machte, bald in den tansanischen Schulbuechern auftauchen wird. Hoffentlich liest dann keiner diesen Beitrag hier.
Nach 25 Stunden Fahrt durch Uganda, Kenia und Tansania bin ich dann gleucklich in Moshi gelandet.
Die Kilibesteigung habe ich hier heute gleich perfekt gemacht - naja zunaechst nur den Papierkram. Alles ist besprochen und bezahlt. Morgen um 9:00 Uhr geht es los. 6 Tage spaeter, am Freitagmittag bin ich zurueck und am selben Tag abends geht mein Flug.
Vespaetung kann ich mir also auf dem Berg keine leisten; ich freue mich schon drauf, meinen Guide fuer die naechsten 6 Tage Schlammwatschen, Zeltschlafen und Hoehenluftatmen habe ich gerade kennen gelernt, ein netter, sympathischer Kerl, seinen Namen schon wieder vergessen; da ich schon einmal oben war, kann ich es diesmal ganz gemaechlich angehen; wenn es nicht klappt, dann klappt es eben nicht, eine plausible Ausrede wird mir dann schon einfallen; also bis die Tage - RUE
Datum: 03.03.2007 15.18 Uhr
Kilimanjaro
So, ich bin nun zurueck vom 6-taegigen Ausflug auf den hoechsten freistehenden Berg der Welt und hoechsten Berg Afrikas. Ich war ja vor 4 Jahren schon mal oben drauf, aber wer damals meine Eintraege gelesen hat weiss, dass es zwar fuer ein Gipfelfoto gereicht hat, aber geniessen konnte ich die Besteigung wegen der Hoehenkrankheit nicht.
Insofern war es mein Ziel diesmal den Berg auf einer anderen Route zu besteigen und es diesmal auch zu geniessen.
Die Besteigung eines 5896 Meter hohen Berges ist alles anderes als ein Spaziergang. Dennoch ist es hier in und um Moshi das Touristenziel Nummer 1. Ich war auch erstaunt, wie touristisch alles ablaeuft: taeglich werden in der jetzt ausgelaufenen Hauptsaison schaetzungsweise 200 Touristen auf den Berg gebracht und wieder herunter. Dazu kommen noch die unterstuetzenden Einheimischen. Ich hatte als 1-Personengruppe drei Traeger, einen Koch und einen Fuehrer. Mit mir auf der 6-Tages-Machame-Route war unter anderem eine franzoesische Gruppe bestehend aus 12 Personen, die 48 Leute um sich herum hatten.
Wir waren auf dieser Route vielleicht so ca. 50 Personen, nach dem zweiten Tag kannte und gruesste man sich. Die Route ging ueber sehr schoene Landschaften (Bilder folgen) und am Ende des 4. Tages erreichten wir das Camp in 4700m-Hoehe, von dem aus der Gipfel bestiegen werden sollte. Nur ein Einziger erreichte dieses Camp nicht.
Mein Guide und ich sind immer schoen allein gegangen, relativ spaet gestartet, haben ueber den Tag eine Gruppe nach der anderen aufgeraeufelt - es hat richtig Spass gemacht. Ich habe meinen Guide Anton daher auch Mountain-Cheetah getauft (Berg-Gepard) und er mich Simba-Man (Loewen-Mann) gerufen, weil ich einen nicht unswesentlichen Teil meiner Ausruestung selbst getragen habe. Wer mich kennt weiss, dass ich lieber zuviel trage, als auch nur einmal etwas Wichtiges bei Regen, Kaelte oder Sturz nicht dabeizuhaben. Naja, dazu noch die Fotoausruestung, und die 4 Liter Tee, die ich mir jeden Tag zur Akklimatisierung hineingeholfen habe .....
Der fuenfte Tag startete dann um Mitternacht plus-minus einer halben Stunde (je nach Leistungsstaerke), es geht von diesem Camp steil bergauf im Zick-Zack-Kurs. Nach knappen 7 Stunden soll man dann den Kraterrand des Kilimanjaro-Vulkans erreichen, rechtzeitig fuer den Sonnenaufgang. Der Kraterrandpunkt heisst Stella-Point, von dort sind es bis zur hoechsten Stelle des Vulkans, dem Uhuru-Peak, nur noch eine knappe Stunden Spaziergang.
Ich weiss nicht warum, aber nahezu alle Gruppen waren zu frueh auf dem Stella-Point. Die Guides, meistens schlecht ausgeruestet und frierend verlangsamten auch nicht das Tempo und so waren die ersten schon eine Stunde vor Sonnenaufgang am Uhuru-Peak. Das bedeutet bei ca. minus 20 Grad und starkem Wind, dass man maximal drei, vier Fotos in der Dunkelheit von sich und dem Gipfelschild macht und dann wieder runterrennt, um nicht zu erfrieren. Bereits 10 Minuten nach Sonnenaufgang hat man nicht nur eine atemberaubende Sicht (vergleichbar mit dem Blick aus einem Flugzeug, nur eben 360 Grad rundum), sondern auch wesentlich interessantere und authentischere Fotos.
Durch meine erste Besteigung kannte ich das Problem vom Hoerensagen (damals war ich so krank, dass ich 2 Stunden nach Sonnenaufgang am Uhuru-Peak angetorkelt kam). Als Anton, mein Guide, mir anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang offerierte, dass es bis zum Stella-Point nur noch eine halbe Stunde sei, da machte ich einen Aufstand. Ich hatte ihm vier Tage lang gesagt, dass ich nach Sonnenaufgang dort ankommen will. Ich schlug vor, hinter einem Felsvorsprung Pause zu machen, er sagte, er wolle nun langsamer gehen. Ich dachte so bei mir, dass eine Kombination unserer Taktiken das beste waere, und so sagte ich zu. Anton ging wirklich langsamer voran.
Ich dagegen hatte nun alle fuenf Minuten etwas. Mal musste ich pinkeln, kurz danach etwas trinken, dann hatte ich Durst, etwas spaeter setzte ich mir die Balaklava auf, ... und so weiter.
Oben auf dem Stella-Point wurde kurz ein Foto von uns beiden in der Dunkelheit gemacht und dann ging es auf dem Kraterrand zum Uhuru-Peak. Der Winterdienst hatte dort oben schlechte Arbeit gemacht, alles war schneebedeckt und vereist, zum ersten Mal habe ich meine Wanderstoecke ausgepackt und gebraucht (bis dahin habe ich mich immer gefragt, warum ich die Dinger ueberhaupt mitgebracht habe), um nicht wegzurutschen und auf den hartgefrorenen Boden zu knallen.
Der Wind da oben war das staerkste, was ich jemals erlebt hatte. Alexander Riesebeck war im Hort immer derjenige, der von unserer Gruppe am weitesten pinkeln konnte. Locker hat er es auf 3 bis 4 Meter gebracht. Dort oben auf dem Kraterrand habe ich ihn ungewollt um Laengen geschlagen. Ich habe mich einfach mit dem Ruecken zum Wind gestellt und laufen lassen, der Sturm hat Alexanders Weiten von damals deklassiert. Waehrend wir gingen, kam der Sturm von der Seite, winzige Eiskristalle, piekten im Gesicht wie Nadelstiche, und er hat die Atemluft aus dem Rachenraum geweht. Man konnte nicht atmen! Man musste den Kopf zur windabgewandten Seite drehen, um atmen zu koennen! Soetwas habe ich wie gesagt noch nie erlebt.
Am Uhuru-Peak nahmen wir uns dann ueber eine halbe Stunde Zeit. Die Sonne machten die ca. minus 15 Grad Celsius ertraeglich und mein Ziel, den Kilimanjaro zu geniessen, habe ich voll erreicht. Dann ging es runter, nach einem Freuhstueck im Camp gleich weiter, und heute bis nach ganz unten.
Man sagt, dass die Machame-Route zwar anstrengend ist, aber eine gute Hoehenakklimatisierung garantiert. Sie geht wirklich sehr stark hoch und wieder runter. Insgesamt weiss ich von 8 Leuten, dass sie es nicht geschafft haben, von vielleicht 50 Leuten, mit denen ich so enger Kontakt hatte. Eigentlich ein guter Wert, wie ich finde.
Morgen mache ich eine Safari mit der franzoesischen Gruppe, die ich auf dem Berg kennen gelernt habe. Das die auch den KLM-Flug haben, werde ich dann gleich zum Flughafen gebracht, wofuer mein Reiseveranstalter 50 US$ haben wollte! Wenn wir darueber hinaus auch nur annaehernd das sehen, was uns versprochen wurde, ist alles mehr als in Ordnung. Bei meinem letzten Eintrag hatte ich mich verschaut und gedacht, mein Flug ginge schon heute Abend.
Ja, in diesem Sinne scheide ich hier aus Ostafrika. Fuer Fragen, Informationen, Tipps stehe ich zur Verfuegung -
Kwaheri aus Moshi!
Datum: 09.03.2007 13.29 Uhr
