Reise-Tagebuch
Indien ist nicht Amerika - und Kalkutta liegt nicht am Ganges
Nun sitze ich hier, 12 Stunden vor meiner Abreise, und überlege mir meinen ersten und wohl schwersten Eintrag. Es ist ja - bis jetzt - noch nix passiert.
Also mache ich es kurz: morgen früh geht es um gegen 7:00 Uhr nach Berlin, um 11:00 Uhr fliege ich dann nach London, und gegen 15:00 Uhr geht es dann weiter nach Kalkutta (oder neuerdings Kolkata). Dort schlage ich gegen 5:10 Uhr am Freitag früh auf.
Da der Tag dann ja schon eh versaut ist, werde ich versuchen gleich in einem Bus bis an die Grenze nach Bangladesh zu kommen und noch ein wenig darüber hinaus.
Mein Rückflug ist am 6.November von Bombay (oder neuerdings eben Mumbai). Was zwischendurch passiert, das lest ihr hier!
So weit, so gut - bis bald - RUE
Datum: 20.10.2004 17.58 Uhr
5 Aufgaben sind zu erfuellen
Ein "Hallo" aus Khulna (Bangladesh).
Vor dem Antritt meiner Reise habe ich mir wenig Gedanken gemacht/ machen koennen, was ich hier auf dieser Reise eigentlich machen will. Dadurch, dass ich 1997 schon einmal den nordwestlichen Teil Indiens und Nepal bereist habe, fallen viele Sehenswueridgkeiten (Taj Mahal, Palast der Tausend Winde, Kajaharu, Varanasi, Mount-Everest-Besichtigungsflug, ...) in die Kategorie: "Abjehakt!". Hier verlange ich von Horst, meinem kleinen Sparkassen-Eisbaer-Reisegefaehrten, auch Verstaendnis, dass ich keine Lust habe, nur seinetwegen diese Tour zu wiederholen.
Also ueberlegten wir uns auf dem Hinflug, was fuer uns in den naechsten 16 Tagen so alles erstrebenswert sein koennte.
Bangladesh hat an sich keine Top-Sehenswuerdigkeit. Das macht sich auch darin bemerkbar, dass es in Bangladesh zu den touristisch am wenigsten entwickelten Laendern gehoert (unter den einfach zu erreichbaren und nicht politisch abgeschotteten). Aber Bangladesh hat den bengalischen Tiger. Angeblich sind Tiger ja sowieso wesentlich imposanter als Loewen, und der bengalische ist innerhalb der Tigerfamilie der groesste, staerkste und gefaehrlichste. Und das war fuer Horst und mich ausschlaggebend unsere erste Aufgabe zu definieren:
(1) Finde einen bengalischen Tiger in freier Wildnis!
Im Nordosten Indiens liegt Darjeeling. Heimat der besten und teuersten Teesorten der Welt. Darueber hinaus kann man dort auch schoene Blicke auf zauberhafte Berge des Himalajas erhaschen. Und das war fuer uns Grund genug unsere zweite Aufgabe zu definieren:
(2) Trinke den teuersten, verfuegbaren Darjeeling-Tee mit ungestoertem Blick auf einen Achttausender!
In Indien, Bangladesh und Berlin gibt es Rickshaws. Fuer mich als begeisterten Hobby-Radfahrer ist dies ein Traumberuf. Allerdings wird er on Indien relativ schlecht bezahlt. Das fuehrte mich zu meiner persoenlichen dritten Aufgabe:
(3) Verdiene dir in Indien eine Mahlzeit als Rickshaw-Fahrer!
Beim Durchblaettern meines Reisefuehrers stiessen wir auf den Ort Bodghaya - gelegen in der Mitte zwischen Kalkutta und Varanasi. Dort gibt es einen Baum, unter dem Buddha, seine Philosphie verkuendete, aus der dann der Buddhismus entstand. Auch der Dalai Lama kommt hier jedes Jahr im Dezember/Januar hierher. Da ein wenig Erleuchtung auch uns nicht schaden kann, beschlossen wir als weitere Aufgabe zu formulieren:
(4) Finde Erleuchtung unter dem Boddha-Baum!
Unser Rueckflug geht von Bombai, Standort der groessten Filmindustrie der Welt. Amerikas Hollywood ist eben nur die Nummer 2. Die Filme werden dementsprechend auch Bollywood-Filme genannt und sind bekannt und geliebt in ganz Asien und darueber hinaus. Sie zeichnen sich durch ein ganz besonderes Flair aus, bis aufs aeusserste stigmatisierte Charaktere, uebertriebene, verworrene Handlungen und einmalige Tanzszenen. Das ganze ergibt fantastische Filme, in denen aber, ungeachtet diverser Beziehungen und Hochzeiten nicht ein Kuss oder gar ein nackter Mensch gezeigt wird. Das Aeusserste von der Zensur erlaubte ist eine sogenannte Wet-Sari-Szene, also wenn die in eine Sari gekleidete Hauptdarstellerin, die sich in den Hauptdarsteller verliebt hat, aber zu schuechtern ist ihre Liebe zu gestehen, im Traum um die Aegyptischen Pyramiden tanzt, um sich umzudrehen und im Indischen Ozean in den Armen ihres Geliebten zu liegen und - wie es der Name sagt - ihre Figur unter der nassen Sari schemenhaft angedeutet wird. Das ist eine Wet-Sari-Szene!
Unsere Begeisterung fuer Bollywood und dieses saubere Image dieser Filmindustrie fuehrte uns zu unserer letzten zu erfuellenden Aufgabe:
(5) Versuche eine Nebenrolle in einem Bollywood-Movie zu ergattern!
Also: 5 anspruchsvolle Aufgaben. Wir sind bereit sie zu erfuellen. Und Ihr koennt dabei sein!
Datum: 23.10.2004 11.37 Uhr
Aufgabe Nummer 1: Der Bengalische Tiger
Nach 10 Stunden Flug (neben mir 2 daenische Taschenverkauefer, die in Indien produzieren lassen und ziemlich viel Alkohol abkoennen) kam ich relativ problemlos und schmerzfrei durch die indische Passkontrolle - kein Wunder, bei dem Alkoholpegel, den ich in mir hatte. Vielen Dank an die Daenen, die bei jeder ihrer Bestellungen bei den Stewardessen auch an den Deutschen neben ihnen dachten, bis ich schliesslich abwinkte, weil ich wirklich nicht mehr konnte.
Der Weg zur bangladesischen Grenze fuhr ich hinten im Taxi, das heisst ich lag dort, schlief sofern das auf Indiens Strassen moeglich war, waehrend vorne 4(!) Inder sassen und hatte tierischen Brand. Am Grenzuebergang stuerzten einige "Helfer" auf mich zu und zeigten mir lautstark den Weg zur Grenze ("This way, mister! This way!"), bis ich an einen alten Wachtposten kam, der mir verstaendlich machte, dass ich doch hinten herum gehen muss um meine Stempel zu bekommen. Also ging ich wieder zurueck, wieder liefen meine "Helfer" lautstark voraus ("This way, mister! This way!"). 'Dat weiss ick nu' selber' dachte ich mir und machte mir aus den Typen nichts mehr.
Die Grenze nach Bangladesh sah aus wie der Eingang zu meiner alten Schule. Ein grosses Tor in einem kleinen Zaun. Ein Unterschied zu Indien war hinter der Grenze kaum zu spueren. Ich kaufte mir eine Karte fuer den Bus nach Khunla, der fuhr 3 Stunden spaeter und so legte ich mich in dem recht leeren Buswartehaeuschen auf die Bank, um ein wenig Schlafdefizit und Rausch abzubauen.
Ich wachte nach einer ganzen Weile auf und war von vielen Mitwartenden umgeben, die alle nur auf mich schauten und was ich da mache. Mir war alles egal und es ging auch bald los.
Wie ein oeffentlicher Bus aussieht koennt Ihr hoffentlich ab Montag Abend unter "Bilder der Reise" bewundern, wenn ein paar Bilder, die ich gemacht habe, von Herrn Rieck ins Netz gestellt wurden - hier habe ich leider die Moeglichkeiten nicht.
Von dort fuhr ich gleich weiter nach Mogla, das ist ein kleiner Ort mit einem riesigen Hafen, unweit des Sundarbans-Nationalpark. Dieser Nationalpark ist der groesste Mangroven-Guertel der Welt, Heimat von Krokodilen, Affen, gepunkteten Hirsches und von ca. 550 gluecklichen bengalischen Tigern! Aufgabe 1 war so gut wie erfuellt.
Ich kam in dem Oertchen an, suchte mir ein Zimmer, ging etwas essen (Bangladesh ist sehr stark muslemisch, und da gerade Ramadan ist, gibt es tagsueber nichts) und merkte ziemlich schnell, dass ich der einzige Tourist weit und breit bin.
Ich machte mich bei einem oertlichen Touroperator kundig, wo ich mir morgen einen bengalischen Tiger anschauen koennte. Er machte einen Gesichtsausdruck zwischen belaecheln und auslachen, und klaerte mich ueber die Gefahren einer solchen Tour auf.
Es gibt hier wohl von November bis Maerz viele Honigeinsammler, die durch die Waelder ziehen. Davon gibt es im Maerz immer ca. 15 weniger als im November, weil ein paar alte Tiger, die nicht mehr soviel Erfolg mit gepunkteten Hirschen haben, gerne auch mal unbemalte Menschen nehmen, auch wenn diese noch soviel Krach machen und Waffen bei sich tragen. Der Tiger greift immer von hinten an, springt 10-13m weit (!) und toetet sein Opfer mit dem ersten Biss in den Hinterkopf. Teilweise werden mittlerweile gute Erfahrungen gesammelt mit eisernen Kopf-/Nackenbedeckungen - allerdings sind die wohl sehr unbequem.
Der Touroperator sagte, dass die Tigersafaris, die angeboten werden, nur von Leuten mit einer Klingel und einer Flinte durchgefuehrt werden. Die Klingel ist zum Verscheuchen der Tiger da und die Waffe ist eigentlich nur Verziehrung. Und da diese Tigersafaris, auf dem der Fuehrer die Besichtigungsobjekte verscheucht, wenig Sinn machen, bucht die keiner.
Also bot er mir einen Boottrip im Nationalpark an, auf dem ich mit etwas Glueck Affen, Krokodile, gepunktete Hirsche und mit viel Glueck auch vom Ufer aus einen Tiger sehen kann. Ich schlug ein, was blieb mir uebrig.
Am naechsten Tag (heute frueh) ging es los und ich will gar kein grosses Gewese drum machen: ganz zum Anfang sah ich zwar schoene Mangrovensuempfe, aber ausser ein paar Voegeln und meinem Horst keine Tiere. Nicht einmal laestige Muecken. Dann merkten meine beiden Fuehrer, dass ich wohl etwas enttaeuscht war und zeigten auf etwas, was da im Fluss schwamm. Ganz aufgeregt sagten sie zu mir, dass es ein Krokodil waere. Wir fuhren vorbei, ich schaute hin, es war eine vielleicht ein Meter lange Echse (auch davon wird es am Mo ein Bild im Internet geben). Ein Krokodil also fuer bloede Touristen; fuer einen durch diverse Klassenfahrten im Ueckermuender Tierpark gebildeten Menschen war es aber ganz klar "nur" eine Echse. Nach einer Weile kam ein Polizeiboot an und forderte uns auf umzudrehen. Angeblich liefe da ein Bande rum, die gerne mal Touris ueberfaellt. Ob das stimmt konnte ich nicht nachvollziehen, aber ich hatte von dieser tierlosen Landschaft eigentlich sowieso genug gesehen. Nach einer Weile sprach ein Bootsfuehrer mit einem entgegenkommenden Boot mit Einheimischen. Dann sagte er zu mir ganz aufgeregt, die haetten ihm erzaehlt, dass die auf der linken Seite einen gepunkteten Hirsch gesehen haetten. Ich solle meine Augen auf halten. Ich sagte gar nix weiter, fragte mich nur, ob ich wirklich sooo bloed aussehe und schaue weiterhin gelangweilt nach vorne.
Schliesslich fuhren die beiden mit mir zu einer Mangrovenwald-Forststation. Dort war mit einer langen, langen Bruecke im Mangrovenwald so eine Art Arboretum geschaffen worden. Ganz interessant, und Unmengen von kleinen Krebsen versuchten sich immer vor mir zu verstecken. Zum Schluss landeten wir in einer Art Forschungsstation, wo Affen, gepunktete Hirsche und auch Krokodile gehalten wurden. Die grossen dicken Krokos hielten sich leider versteckt (oder es gab sie gar nicht), dafuer wird es ab Mo wohl auch ein Foto mit Krokodilbabys auf der Bilderseite geben, dass ich dort machen konnte.
Also Aufgabe 1 werde ich wohl nicht erfuellen koennen. Eine grosse Enttaeuschung. Ich mache mich nun auf den Weg in den Norden Bangladeshs, um von dort nach Darjeeling zu gelangen. Ein sehr netter Mensch half mir eine Zugfahrkarte fuer heute Nacht im Schlafabteil zu finden (14 Stunden Fahrt im Schlafwagen kosten 525 Thaka - ca. EUR 7,50 - da kann man Fuenfe ruhig mal gerade sein lassen und sich diesen Luxus leisten). Ohne diese Hilfe waere ich total aufgeschmissen gewesen, weil ich hier keinen Buchstaben, geschweige denn ein Wort lesen kann. Wenn das Foto auf der Bilderseite ist, der Herr mit dem roten Rucksack unter dem nicht zu entziffernden Reiseplan war dieser nette Herr.
So weit so gut - uns geht es gut - bis bald!
Datum: 23.10.2004 13.38 Uhr
Auf dem Weg nach Darjeeling
Ein Hallo aus Darjeeling!
Zu den letzten Tagen: Die Zugfahrt in den Norden Banglaeshs im Intercity(!) war recht unspektakulaer. Ich sass mit einem Bahnangestellten im Abteil, er spendierte mir einen Tee, als wir da so sassen und uns ein wenig unterhielten, kam aus den Polstern auf einmal eine kleine, schwarze Maus heraus. Mit Maeusen habe ich kein Problem. Ich zeigte auf die, er blieb ganz ruhig, klopfte mehrmals auf die Polster und das Vieh setzte sich in Richtung Polsterritze wieder in Bewegung. Nun bemerkte ich, dass das keine Maus, sondern eine Kakerlake war. Mit Kakerlaken habe ich ein Problem! Ich war froh, dass mein Bett oben war und redete mir mehrmals ein, dass Kakerlaken nicht Waende hochlaufen koennen. Beim Teetrinken schaute ich mich mehrmals nervoes um. Er bemerkte dass, fragte was denn sei, ich schilderte ihm mein Kakerlakenunbehagen und er lachte nur.
Eine Bitte: Es komme jetzt niemand auf die Idee mir in einer Email eine wissentschaftliche Abhandlung ueber das famose Steigvermoegen von Kakerlaken an senkrechten Zugwaenden zu mailen. Das waere echt unfair .....
Nach einer ruhigen Nacht in einem schoen regelmaessig schaukelnden Zug erreichte ich mein Ziel im Norden Bangladeshs, bekam auch gleich einen Bus zur Grenze. Gegen 10:30 Uhr war ich in dem letzten Dorf vor der Grenze, von dem mir meine drei(!) Reisefuehrer erzaehlen, dass es der Hauptgrenzuebergang im Norden Bangladeshs nach Indien ist. Mein neuer Freund aus Khunla wusste mir sogar zu berichten, dass es kein Problem ist ihn zu passieren. Ich nahm eine Fahrradrikshaw und versuchte einen Combi-Preis bis zum Passport-Check (4km) und dann bis zur eigentlichen Grenze zu bekommen (nochmals 4km). Es ist naemlich immer sehr unangenehm, wenn man mitten in der Pampa - ohne mit der Fahrradrikshaw-Mitberwerb drohen zu koennen - einen Preisverhandlung fuer den zweiten Teil der Reise fuehren muss. Dass kann Reisepreise ruckzuck auf deutsches Niveau heben.
Es haette mich stutzig machen sollen, dass die Preisverhandlung fuer ersten Teil problemlos lief, er aber keinen Preis fuer den zweiten Teil nannte. Nicht mal einen ueberteuerten! Ich bestand aber drauf, er akzeptierte meinen Vorschlag, und es ging los. Ich mit meinen beiden Rucksaecken auf einer Art Ladeflaeche der Rickshaw. Wir fuhren bis zum Passportcheckpoint, wo mir eine Reihe sehr militaerisch gekleideter Herren freundlich erklaerten, dass es hier nicht weitergeht. Ich laechelte freundlich zurueck, las ich doch am Tage meiner Abfahrt in der Zeitung, dass Bangladesh der korrupteste Staat der Welt ist. Weit hinter Russland (Platz 90 oder so) oder eine ganze Reihe afrikanischer Staaten. Mein Laecheln und meine Frage, was ich denn nun machen koennte, um hier ueber die Grenze zu kommen, wurde erneut mit dem Satz, dass diese Grenze grundsaetzlich unpassierbar ist beantwortet.
OK, bis jetzt lag ich gut in der Zeit, nun wurde sie aber knapp, weil ich keine Lust hatte noch eine Nacht in Bangladesh zu verbringen um morgen dann einen anderen Grenzuebergang zu versuchen. Wenn nur die Grenze meiner Einreise uebrig bleiben wuerde, dann wuerde ich sogar 2 ganze Tage nur reisen muessen (einen runter in den Sueden, den naechsten auf indischer Seite wieder in den Norden), nur um diese Grenze zu umgehen. Und dabei wieder Kakerlaken im Abteil in Kauf nehmen muessen ....
Es kam nun eine Art Vorgesetzter zu mir, begruesste mich ueberaus freundlich und wies mich auf einen Grenzuebergang 65 km oestlich hin. Von dem stand in allen meinen Reisefuehrern aber gar nichts. Noch nicht einmal die Stadt war vermerkt. ich schrieb mir den Namen auf, fuhr mit der Rickshaw zurueck ins Dorf und fragte nach einem Taxi. Man erklaerte mir, dass es in diesem Ort nur einen Bus gebe, den ich fuer ca. 250 US$ mieten koennte. Das war mir zuviel. Ich liess mich aufklaeren, wie ich mit dem oeffentlichen Bus dahinkomme. Die mich umringende Dorfbevoelkerung erklaerte mir, ich muesse zurueckfahren zu einem, dann zum naechsten, dort bekomme ich einen Bus, der bis kurz vor die Grenze faehrt und dann kann ich zum Grenzort. Pro Busfahrt 2-3 Stunden kalkulierend, dazu nocheinmal 1-2 Stunden Wartezeit macht einen Grenzuebergang vor 18:00 Uhr unmoeglich. Und da nicht ein einziger Ort davon in meinem Bangladesh-Reisefuehrer vermerkt war, hatte ich auch keine Ahnung wo ich uebernachten koennte. Eine ziemlich bloede Situation.
Mein Rickshawfahrer - bis auf Fahrpreise kein Wort englisch sprechend, dafuer aber ein riesiges Geschaeft riechend - hatte eine Idee. Er erklaerte mir irgendwas von 3 und dann sind da Trucks, die mich zur Grenze bringen koennen. Ich verstand die Welt nicht mehr, war sauer, dass mir die Doerfler nicht gesagt haben, dass es in 3km einen Truck gibt und schlug ein! Preis wurde nicht ausgehandelt, weil mich diese 3km nicht die Welt kosten konnten. Es war mittlerweile 11:15 Uhr und ich machte es mir auf der Rickshaw bequem. Mein Kumpel vorne auf dem Fahrrad trat kraeftig in die Pedalen - es ging los!
Eine Dreiviertelstunde spaeter wurde ich stutzig. Ich fragte ihn, wo denn nun die Trucks seien. Er sagte wieder was von 3 und dann sind da Trucks. 'Neeee', dachte ich so bei mir, 'er wird doch nicht 3 Stunden meinen! Das kann nicht sein!'. Da die Sonne im Zenit stand, holte ich meine Sonnenbrille und Sonnencreme heraus, machte es mir auf der Rickshaw noch bequemer und fing an die Kinder am Strassenrand zu gruessen. Ich harrte einfach der Dinge, die da kamen. Welche andere Chance hatte ich denn? Irgendwann gegen 14:00 Uhr hielt er in einem Dorf an, trank und ass etwas (dort entstand dann auch der kleine Film, auf der Bilderseite mit den Dorfbewohnern um mich herum, als ich draussen auf ihn wartete), und als er gestaerkt wiederkam, fragte ich nun doch schon etwas ungeduldiger, wann wir denn da waeren. Er sagte wieder was von 3 und dann begriff ich: er meinte von Anfang an 3:00 Uhr! Ich schuettelte nur den Kopf, denn soetwas hatte ich auch noch nie erlebt, und weiter ging es. Mittlerweile brannte die Sonne ganz schoen doll, und ich musste hinten auf der Rickshaw immer mal wieder lachen. Wir hatten also mit ein paar Schleichwegen mit ca. 30km Fahrradfahrt vielleicht 50km Autofahrt abgekuerzt. Weil ja kein Auto da war.
Kurz nach 15:00 Uhr kamen wir dann auch nach mehr als 3,5 Stunden Fahrt auf eine grosse Strasse zu. Wir kamen direkt auf einen Bus zu. Er rief den Busfahrer von weitem an, dass er doch warten moege. Ich zahlte meinem Fahrer eine ordentlich Praemie. Haette er englisch gesprochen und waere ein wenig mehr Zeit gewesen, haette ich ihn als Manager unter Vertrag genommen und an das Team Telekom vermittelt. Aber Zeit war nicht: ich also in den Bus, meine 40 Cent Fahrpreis entrichtet und schon sass der halbe Bus um mich herum und wollte mein Freund sein. Ich unterhielt mich mit einem anderen Computerexperten (die erste Frage ist immer woher ich komme, die zweite wie ich heisse - meinen Namen konnte bisher noch niemand fehlerfrei wiederholen, und die dritte Frage ist, was ich mache. Wenn ich dann Computeringenieur antworte, kommte immer eine andaechtiges Staunen und Murmeln:"Ohhh, ahhh, Computerengineer! Ohhhh, ahhh!"). Also einen anderen Computerexperten suchte ich mich zum Unterhalten aus, damit ich nicht mit jedem Einzelnen meine Herkunft, Land und Beruf durchgehen muss. Der wurde dann auch sofort mein Freund (das passiert immer so nach dem dritten Satz, wenn die mir die Hand geben und mich Freund nennen!) und dann unterhielten wir uns noch wo ich gerade herkomme und wo es hin geht, und wie mir Bangladesh gefaellt, wann ich wiederkomme und welcher Religion ich angehoere und dass er ja Moslem ist.
Dann lud er mich ein, mir die Rickshaw zur Grenze zu bezahlen, ca. 50 Rupees, also 95 Cent so etwa. Das ist dort viel Geld! Er bestand aber drauf, erzaehlte mir, dass er ein Geschaeftmann ist und Grafikdesign macht. Wir stiegen aus dem Bus, nahmen eine Rickshaw und selbstverstaendlich kam mein Freund mit mir zur Grenze. (daran koennen sich meine 'Freunde' zu Hause mal ein Beispiel nehmen, ja! Ihr habt mich noch nicht einmal persoenlich verabschiedet, geschweige denn zum Pasewalker Bahnhof gebracht! Meine neuen Freunde haetten mich alle mindestens bis Tegel begleitet, und mir sogar noch den Zug bezahlt, wenn nicht sogar den ganzen Flug! Also ich ueberlege ernsthaft, ob ich euch ueberhaupt noch brauche, oder ob ich mir hier einen ganzen Sack neuer Freunde mit nach Hause nehme! Jawohl :-) )
Also mein neuer Freund kam mit mir zur Grenze, und ich frage mich immer, was die von mir bzw. mit mir wollen. Aber man merkt das ziemlich schnell. Zum Einen sind die hier wirklich sehr aufgeschlossen und freundlich. Auf der anderen Seite geniessen die es auch, mit einem der ganz wenigen Auslaendern in einer Rickshaw zu fahren, von allen bewundert zu werden, wie sie sich mit mir unterhalten. Positiver Nebeneffekt fuer mich: wenn einer auf der Strasse mir zuruft, woher ich komme, dann antwortet mein Freund fuer mich immer ganz stolz: "GERMAAAANIA!". Irgendwann fuhren wir am Geschaeft eines Freundes meines Freundes vorbei. Der Rickshawfahrer musste anhalten, ich musste die Freunde meines Freundes per Handschlag begruessen und weiter ging es. Nach einer Weile kommt eine Rickshaw hinter uns her, und nun wurde ich auch noch von den Freunden meines Freundes begleitet, musste Fragen beantworten wie: Wo kommst Du her?, wie heisst du?, was machst du beruflich?. Klasse, ich liebe Smalltalk!
Zur Grenze erwaehne ich hier kurz noch, dass es eigentlich ein grosser bangladesischer/indischer Markt war. Hier ein Bananenhanedler, dann ein Spielzuegverkauefer, dann die bangladesische Abfertigung, ein Frauenarzt (!, Lady-Doctor!), dann noch 2 weitere Spielzeughaendler, Suessigkeiten, dann Zoll von Bangladesh (brauchte ich nicht hin, weil ein Freund vom Freund meines Freundes den leitet), dann kam ein grosser Steinhaufen, dann wieder ein paar Strassenhaendler, indische Abfertigung, indischer Zoll (ich musste alles, aber auch alles mitten auf der Strasse auspacken und aufmachen) und dann verabschiedete ich mich von meinem Freund, den Freunden meines Freundes und von den Freunden der Freunde meines Freundes.
Auf indischer Seite stellte ich meine Uhr eine halbe Stunde zurueck, wartete auf den naechsten Bus nach Siliguri. Ich bemerkte sofort, dass ich nicht mehr soviel Beachtung geniesse wie in Bangladesh. Und das war gut so! Der Bus tuckelte eine gute Stunde bis nach Siliguri, immer noch genug Zeit um mit einem Teefabrikanten die Adressen auszutauschen und Freunde zu werden. Ich nahme mir ein nettes kleines Zimmer in einem netten kleinen Hotel, fand auf der Strasse etwas nettes scharfes zu essen, nahm im Hotel eine Dusche, fiel in mein Bett und schief bis zum naechsten Morgen wie tot.
Datum: 26.10.2004 16.48 Uhr
Aufgabe Nummer 2: (2) Trinke den teuersten, verfuegbaren Darjeeling-Tee mit ungestoertem Blick auf einen Achttausender!
Am naechsten Tag versuchte ich das Unmoegliche von Siliguri nach Darjeeling faehrt eines der beruehmtesten Zuege der Welt. Neben dem 'Devils Nose' in Equador (glaube ich), dem Orientexpress der Transsibirischen Eisenbahn und noch einem Zug in Australien (Blue Train oder so?) ist es fuer jeden Bahnreisefan ein Trau mit dem sogenannten Toy-Train nach Darjeeling zu fahren. Nicht nur, das sie vom westbengalischen Flachland in den Himalaya durch wunderschoene Landschaft fuehrt, nein sie ist auch noch eine technische Meisterleistung des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Ermoeglichte doch erst dieser Zug die Erschliessung von Darjeeling als Teeanbaugebiet. Der kleine Zug mit 3 Wagen und ca. 80 Sitzplaetzen absolviert erstaunliche Steigungen und engste Wendungen, teilweise sogar im beruehmten Z-Stil, das heisst der Zug faehrt einen Berg hoch, haelt an, dahinter werden die Weichen umgestellt, er faehrt einige hundert Meter zuerueck, wieder den Berg hoch und ueber eine weitere Weiche, er haelt wieder an, die Weichen davor werden umgestellt, und er faehrt wieder vorwaerts weiter. hat er doch durch diese Z-Bewegung am Berg viele Hoehenmeter auf engstem Raum geschafft.
Leider ist dieser Zug fast immer so gut wie ausverkauft und ich wollte fuer den Weg zurueck von Darjeeling diesen Zug reservieren lassen. Dennoch versuchte ich das unmoegliche: ich fragte nach einer Karte fuer den Hinweg. Und es klappte. Ich bekam sogar einen der 16-Plaetze in der ersten Klasse. Fuer ca. 7 EUR.
Der Toytrain war wirklich ein Erlebnis. 90 km in 9 Stunden Fahrt bietet genug Zeit zum Landschaftgucken. Auch die eine oder andere Pause war drin. Wir holten uns sogar zwischendurch Kaffe und Kuchen (Brownie und eine Queen-Elsabeth-Cake - herrlich!; dennoch fragte ich vorher vorsichtig, ob in Indien auch der Kuchen mit gruenem Chile gemacht wird; wird er nicht). Und ich sah hier im Toytrain auch den ersten anderen Traveller. Auf den bisherigen 4 Tagen habe ich nach der Abfertigung im Flughafen keinen einzigen Reisenden gesehen!
Im Dunkeln kam ich in Darjeeling an, suchte mir ein Hotel (gar nicht so einfach - die Stadt und die Hotels quellen mit indischen Touristen geradezu ueber, weil hier gerade eine Festwoche vorueber ist, die viele zum Urlauben genutzt haben). Ich fragte nach einer Tour zum Tiger-Hill, von dem aus man den Kanchendzonga bei Sonnenaufgang sehen kann. Dies ist der dritthoechste Berg der Welt (nach Mt.Everest und dem K2), deutlich ueber 8000m hoch und fuehrte mich direkt zur Loesung meiner 2.Aufgabe.
Um 3:30 uhr soll ich aufstehen, dannsind draussen Dutzende von Taxis auf dem Weg zum Tiger-Hill. ich bat darum, dass man mich wecken moege, bat um heisses Wasser fuer eine Dusche und ging auf mein Zimmer. Nach 5 min kam ein Hotelboy mit einem riesigen Eimer mit heissem Wasser, ich stellte mich in die Dusche, nahm einen kleinen Schoepfbecher und duschte mich. Mit dem Restwasser noch schnell ein paar Sachen gewaschen und ins Bett!
Am naechsten Morgen fand ich auf anhieb ein Sammeltaxi zum Tigerhill, die Fahrt dauerte nicht ganz eine Stunde und dann stand ich da mit ca. einem Dutzend auslaendischen und ein paar Hundert indischen Touristen. Das war mir in der Kaelte und Dunkelheit zu bloed. Es gibt auf dem Tigerhill ein dreistoeckiges Haus, unten die Extra Lounge (20 Roupees - 45 Cent), darueber die Deluxe-Lounge (30 Roupees - 70 Cent) und ganz oben die Super-Deluxe-Lounge (40 Roupees - 90 Cent). Alle Preise inklusive einem Tee.
Ich sagte mir ,dass man nur einmal lebt und fragte kurzentschlossen nach einer Karte fuer die Super-Deluxe-Lounge. Ausverkauft! Deluxe-Lounge auch! Ich also ganz unten rein. Sass da mit 50/60 Leuten und einem Eisbaeren, nippte am Tee und wartete. Irgendwann kurz vor Sonnenaufgang wir dann alle raus, der Sonnenaufgang war auch ganz Klasse, Nur sah ich nirgendwo einen Achttausender. Ich war enttauescht. Auf dem Weg zum Auto zeigte mir der Fahrer, dass der Kanchendzonga auch genau auf der anderen Seite vom Sonnenaufgang liegt. Dort war es aber bewoelkt. Auf dem Rueckweg kamen wir noch an einem tibetanischen Kloster vorbei - wirklich sehenswert, die Athmosphaere im Innern ist einmalig - und dann ging es gegen 8 Uhr zurueck ins Hotel. Ich legte mich nochmal ins Bett, um bis Mittag zum ersten Mal auf dieser Reise in einem Bett wirlich auszuschlafen.
Nachmittags besuchte ich den Himalaya-Zoo mit Sibirischen Tigern, Schneeleoparden, Himalaya-Wolf, Himalaya-Baer und vielem mehr. Dahinter war das Tensing-Norgay-Museum, wo viele, viele Originalausruestungsgegenstaende der ersten erfolgreichen Mt.-Everest-Besteigung zusammen mit Sir Edmund Hillary ausgestellt und erklaert waren. Fand ich Klasse, haette mich da Stunden aufhalten koennen. Unterhalb des Mueseums fand ich noch das Teleskop, was Adolf Hitler einem nepalesischen Premier geschenkt hatte - als Deutscher musste ich mir das natuerlich anschauen. Dann ging es noch ins Tibeter-Selbsthilfe-Zentrum, wo nach der chinesischen Okkupation gefluechtete Tibeter ein neues zu Hause und mit Handarbeiten auch Arbeit fanden. Ein wenig Shoppen muss auch mal sein ...
Aber auch meine zweite Aufgabe war nicht erfuellt. Daher beschloss ich es noch einmal zu versuchen. Ich kann es ja morgen noch einmal versuchen, vielleicht habe ich diesmal Glueck. Zur Aufgabe gehoert ja auch, teuere Tee. ich kaufte den teuersten, den ich in Darjeeling bekommen konnte (10 Eur fuer 100g - das ist hier ein Vermoegen!). Mal sehen ob es klappt - bis bald, (dass Internetcaffee macht jetzt hier um 21:00 Uhr Schluss ...
Datum: 26.10.2004 17.28 Uhr
2.Anlauf fuer Aufgabe 2: Trinke den teuersten, verfuegbaren Darjeeling-Tee mit ungestoertem Blick auf einen Achttausender!
Ein Hallo aus Calcutta aus einem Internetcafe, das direkt gegenueber des Mutter-Theresa-Hauses liegt. Die letzten Tage habe ich nochmal die Tigeraufgabe versucht zu loesen und bin ausserdem fuer 2 Stunden im Koenigreich Bhutan gewesen, aber der Reihe nach:
Ich hatte also den teuersten Tee gekauft, den es in diesem Teeshop gab. Und das war nicht irgendein Teeshop, sondern der Teeshop, der feste Preise hatte und einen (laut Reisefuehrer) internationalen Ruf. Ansonsten waere ich mir nicht sicher gewsen, ob die mir wieder mal eine Echse als Krokodil verkauft haetten, will heissen: fuer den Spitzenpreis bereits aufgebruehten Grassamen in die Tuete gepackt haetten. Aber das Zeug war gut, habe es in meinem Hotel zusammen mit einer Wasserplastikflasche abgegeben, und darum gebeten, mir a) den Tee aufgebrueht in die Flasche zu machen und b) mich am naechsten Morgen wieder um 3:15 Uhr zu wecken. Statt der Plastikflasche bot mir der kleine, nette, tibetanische Hotelboy eine Thermoskanne an, die mir am naecshten Morgen frisch aufgebrueht gegeben wird. Das nenne ich Service!
Am naechsten Morgen wurde ich puenktlich mit Themoskanne geweckt, ich suchte mir auf der Ghandi-Road vor meinem Hotel erneut ein Sammeltaxi zum Tiger-Hill, verlangte erneut ein Ticket fuer die Super-Deluxe-Lounge, bekam wieder nur die unterste Etage, schaute diesmal nicht nach Osten, sondern in die richtige Richtung zum Kanchendzonga und wartete bis zum Sonnenaufgang.
Und was soll ich Euch sagen, ihr werdet es nicht glauben, manche werde es zwar wieder anzweifeln (nicht wahr, Bruederchen), aber schon vor Sonnenaufgang zeichete sich der vergletscherte Kanchendzonga mit seinen ebenfalls schneeweissen Nebengipfeln im Mondlicht majestaetisch vom Horizont ab. Und nicht eine einzige Wolke war zu sehen. Der Berg steht da so mit einer Gelassenheit in der Landschaft rum, die eine Ruhe und einen Frieden ausstrahlt, dass jedem, aber auch jedem Betrachter das Blut zu Eis erfriert und er sich erfuerchtig und demuetig innerlich verneigt, um Gott fuer seine herrliche Schoepfung zu danken.
Jedem Betrachter, ausser den 500 Indern um mich herum, die sich von einem "Ohhh!" und "Ahhh!" zu einem "Aka labad werie! Su icnochpo!" steigerte, was soviel heissen muss wie: "Geh doch mal weg! Lass mich auch mal sehen!" oder "Mach jetzt sofort ein Foto! Mit mir und diesem weissen Berg da!". Jedenfalls entstand eine Unruhe, dass sich zu einem Blitzlichtgewitter steigerte und den Hoehepunkt in einer Beschimpfungsorgie fand, die ihre Ursache wohl in den diversen Pudelmuetzen, die sich zwischen Fotoapparaten und Kanchendzonga lustig hin und her wiegten, zu haben schien.
Egal, Horst und icke holten den Tee heraus, schauten ueber die kleinen Inder mit ihren Pudelmuetzen einfach hinweg, schluerften laut und genuesslich, schauten auf den dritthoechsten Berg der Erde, der uebrigens mit 8598 Metern nur 13 Meter kleiner als der zweithoechste Berg, der beruechtigte K2, ist.
Aufgabe 2 erfuellt! Horst und icke, dat sind schon zwei Helden, wir sind toll und als Team unschlagbar!
Die Sonne stieg immer hoeher und als es dann so richtig hell war, da zeigten einige Reisefuehrer ihren Touristengruppen links vom Kanchendzonga eine weitere Berggruppe, die Drei Schwestern. Wie hoch die sind, weiss ich nicht. Aber nochmals etwas weiter links erklaerten die, dass die weitere Berggruppe der Makalu, der Mount Everest und der Lhotse sind! Ha! Aufgabe uebererfuellt. Horst und icke schluerften den letzten Schluck des sauteuren Gesoeffs (also geschmeckt hat mir der Tee nicht besonders) mit Blick auf DEN hoechsten Berg der Erde. Der war eindeutig als weisse Spitze ganz weit dahinten zu erkennen, dabei lag er ca. 200km entfernt. Aber fuer diese Aussicht ist der Tiger-Hill ja beruehmt, deshalb pilgern jeden Morgen ja auch Heerscharen von Indern hier her.
Aufgabe eindeutig uebererfuellt. Dafuer sollte es anderthalb Punkte geben, finden wir. Beweisbilder und auch ein kleines MPEG-Filmchen folgen, sobald ich einen Windows-XP-Rechner hier finde, um die Bilder von der Kamera ins Internet stellen zu koennen.
Datum: 29.10.2004 10.58 Uhr
1. Aufgabe: erneuter Anlauf
Nach dem erfolgreichen Loesung der Aufgabe 2 fuhren die beiden Helden zurueck nach Darjeeling, fuehlten sich doch etwas muede, legten sich nochmal hin und schliefen fuer eine Stunde den Schlaf der Gerechten.
Es wurden anschliessend Sachen gepackt, und um 11:00 Uhr ging es ab nach Siliguri, dem Verkehrsknotenpunkt im Norden Indiens mit Bus- und Bahnanschluss in den Sueden nach Kalkutta. Das waren 3 Stunden mit dem Sammeljeep durch leicht schneebedeckte Himalaya-Paesse, aber auf dem Hinweg hatte der Toytrain ja immerhin 8 Stunden gebraucht. Da wir aber gut in der Zeit lagen, wollten wir uns nochmal um die Aufgabe 1 kuemmern. Und dazu muss ich zunaechst die Aufgabe neu interpretieren. Nicht umaendern. Nur neu interpretieren!
Urspruenglich wollte ich die bengalischen Tiger ja deshalb sehen, weil sie die groessten der Tigerfamilie sind. Nun lass ich aber im Himalaya-Zoo (uebrigens dem hoechstgelegenen Zoo der Welt), dass sibirische Tiger die groessten sind. Also wuerde die Aufgabe 1 eigentlich auch erfuellt sein, wenn ich in freier Wildbahn einen sibirischen Tiger aufstoebern koennte. Das leuchtet doch ein, oder?
Und nun gibt es, 4 Busstunden oestlich von Siliguri einen Nationalpark, der fuer die einhoernigen Nashoerner beruehmt ist. Und dort gibt es auch sibirische Tiger. Die kann man sogar im Rahmen einer Safari auf dem Ruecken eines Elefanten erkunden. Dazu sollte man in Siliguri im einem Tourismusbuero den Elefantenritt vorbuchen, da es insgesamt nur 3 Elefanten mit je 4 Sitzplaetzen + Fahrer (oder Mahout oder wie der heisst) gibt. Auch die Hotelzimmer in einem der beiden Hotels sollte man laut Reisefuehrerbuch vorbuchen, sonst schlaeft man auf der Strasse.
Ich also zum Reisebuero hin, das hat aber diesen Tag gerade Feiertag gemacht hatte. Da daran die Loesung der Aufgabe 1 nicht scheitern sollte, setzte ich mich dennoch in den Bus und fuhr zum Jaldhapara-Nationalpark. 4 Stunden spaeter, es wurde schon langsam dunkel, kam ich dann zum Hotel. Ich fragte nach Zimmer und man hatte genau noch ein Zimmer und den Schlafsaal frei. Um mich und meine Klamotten waschen zu koennen, entschied ich mich fuer das Zimmer mit TV und Balkon. Im TV lief gerade das Pendant zu "Deutschland sucht den Superstar" - "Indian Idol".
Ich sollte nun fuer den naechsten Tag einen ganzen Jeep fuer 515 Roupees buchen, da alle gebuchten Jeeps schon voll waren und an einen Platz auf dem Elefantenruecken gar nicht zu denken war. Ich ass zunaechst ausgiebig Abendbrot und danach wollte ich den Jeep klar machen. Nun sagte der Rezeptionist auf mich zu, sagte, dass heute mein Glueckstag sei, weil 3 Touris morgen den Elefantenritt nicht machen und 2 Franzosen nachrueckten und ein Platz frei waere, den er mir, dem einzigen Alleinreisenden nur geben koennte. BINGO!
Darueber hinaus kostete mich der Elefant auch nur 125 Roupees. Und die Franzosen erzaehlten mir spaeter, dass sie die Jeeptour schon gemacht und gar nix gesehen haetten.
Am naechsten Morgen ging es los. Die Safari ging mitten durch den Dschungel durch. Ab und zu gab der Fahrer dem Elefanten einen Befehl und der Elefant knickte fuer uns bedrohlich tief haengenden Aeste einfach ab. Ab und zu gab er den Befehl auch nicht und so war meine frisch gewaschene Hose wieder schoen gruen bestreift. Kriegt man das eigentlich raus? Ob der Elefantenreiter eine Haftpflicht hat? ...
Tiger bekam ich leider nicht zu sehen, dafuer aber ein dickes einhoerniges Nashorn. OK, mit Aufgabe 1 wird es wohl nix werden.
Beim anschliessenden Fruehstueck berichtete eine kandische Seniorinnengruppe ueber ihren Aufenthalt im Koenigreich Bhutan. Dort werden alle Haeuser nach festen Bauplaenen errichtet und von Hand bemalt. Jeder hat dort das traditionelle Gewand zu tragen, das sind fuer Maenner so eine Kombination aus Bademantel und Schottenrock. Ohne Visum nach Bhutan zu kommen ist nicht moeglich und dieses Visum ist teuer und schwer zu bekommen. Ich glaube die europaeische Bhutanvertretung sitzt nur in Genf. Aber die Grenzstadt Phuentsholing ist tagsueber visafrei zu besichtigen und liegt nur eine Autostunde entfernt.
Ich also ein Taxi gemietet und ab ging's. Tolle Stadt, tolles Land, so sauber! Ein riesiger Kontrast zu Indien, obwohl die dort wie im Mittelalter leben sollen. Das hat wirklich Lust auf einen Besuch gemacht.
Anschliessend fuhr ich mit dem Bus wieder 3,5 Stunden zurueck. Eine Zugfahrkarte nach Kalkutta gab es nicht mehr. Also nahm ich den Bus. Um 19:00 Uhr ging es los aus Siliguri und am naechsten Tag kam ich so gegen 11:00 Uhr schmutzig, verspannt und muede in Kalkutta an. Ich schwor mir auf dieser Reise ab sofort nur noch Nachtzuege zu nehmen, um die riesigen Entfernungen hier in Indien zurueckzulegen.
Also ab in das Reisebuero der Indischen Bahn (die Indische Bahn ist uebrigens mit ueber 1,6 Millionen Angestellten der groesste Arbeitgeber der Welt!) und ich habe nun 3 Zuege vorgebucht. Einen 1. Klasse Schafwagen fuer die Strecke von Kalkutta nach Gaya (unweit von Bodhgaya, wo ich mich jetzt befinde), einen 2.Klasse Schlafwagen von Varanasi zu den Hoehlen von Ajanta (ca. 22 Stunden Fahrt!) und einen letzten 2. Klasse Schalfwagen von Ajanta nach Bombay (8 Stunden) . Das bedeutet fuer die letzte Woche meiner Fahrt: nie wieder mehr als 5 Stunden in diesen bloeden Bussen!
Dann wollte ich zum Hause von Mutter Theresa in Kalkutta. Ich mit dem Taxi hin, es faengt an fuerchterlich zu regnen, ich aus dem Taxi raus und erst mal in so eine Tiefgaragenbaustelle. Ich frage die ebenfalls auf Sonnenschein wartenden Inder wo das Haus von Mutter Theresa ist und die zeigen mir einen Weg durch die Tiefgarage lang. Auf einmal stand ich in der Mission, stiefelte mit meinen dicken, nassen Trekkingschuhen durch alle Raeume, las mir alle Plakate ueber Theresas Leben aufmerksam durch, machte meine Fotos und die ganzen Schwestern, die mir entgegenkamen, laechelten mich freundlich an. Ich laechelte freundlich zurueck und nach ueber einer Stunde ging ich in Richtung Ausgang. Dort drehte ich mich um und las das Schild: 'Bitte Schuhe ausziehen und Fotos nur mit ausdruecklicher Genehmigung!'. Sorry, konnte ich ja nicht wissen!
Ansonsten ist das Haus sehr sauber, aber unspektakulaer. Ich fuhr dann zum Bahnhof, wartete dort auf meinen Zug nach Bodghaya, suchte meinen Wagen und betrat die erste Klasse. 3 Inder sassen schon da. Ich packte gleich meine Sachen aus, ging mit Waschbeutel in Richtung Klo, wusch und putzte mich dort ein wenig und erzaehlte anschliessend in meinem Abteil, dass ich die Hindus nun verstehen kann mit ihrem Glauben an die Wiedergeburt, weil: Ich fuehle mich nach dem Waschen auch wie in einem neuen Koerper. Die Inder laechelten muede und wir gingen alle zu Bett, waehrend der Zug in aller Gemuetlichkeit in Richtung Bodghaya tuckelte.
Datum: 30.10.2004 09.04 Uhr
Aufgabe 4: Finde Erleuchtung unter dem Boddha-Baum!
Mit einem bedeutungsvollem 'ALSO' will ich Euch erzaehlen, wie ich die Aufgabe 4 loeste:
ALSO, es begab sich zu der Zeit, da George W. Bush Praesident der Vereinigten Staaten von Amerika war, dass ich unter dem heiligen Baum in Bodh Gaya Erleuchtung finden sollte.
Dazu verliere ich vorab noch ein paar Worte uber Buddha: Buddha wurde vor ca. 2600 Jahren als Sohn eines nordindischen Koenigs geboren. Der Kleine wuchs mit allen Annehmlichkeiten der damaligen Zeit heran und nach einem Leben als Playboy gruendete er eine Familie und haette wie sein Vater ein maechtiger, glanzvoller Herrscher in Nordinidien werden koennen, den die Zeit bald vergessen wuerde.
Statt dessen passierte ihm aber das, was auch Ernesto Che Guevara passierte. Er fuhr nicht mit einem Freund und dem Motorrad durch Suedamerika, sondern mit einem Freund und ein paar Pferden durch Indien um festzustellen, in welcher Armut seine Landsleute leben. Und so beschloss er ganz geschockt von heute auf morgen, seine Familie zu verlassen und lebte ueber einige Jahre absolut asketisch als Bettelmoench, bis er dem Tode sehr nahe war. Da merkte er, dass auch das nicht viel half und so setzte er sich unter einem Baum in Bodh Gaya, fand Erleuchtung und verkuendete von da an fuer die naechsten 40 Jahre seinen "Mittleren Pfad", der heute noch als Buddhismus als eine der Weltreligionen exisitiert. Schoka, der groesste indische Herrscher aller Zeiten setzte ihm so rund 300 Jahre spaeter eine grosse Stupa daneben und weitere ca. 2300 Jahre spaeter machte ich mich aus dem kleinen deutschen Oertchen Pasewalk - nahe der polnischen Grenze - auf, um an diesem PLatze ebenfalls die Erleuchtung zu finden. Der Baum der da stand ist uebrigens ein direkter Nachfahre (der Enkel) des Urbaumes.
Ich versuchte an die Loesung der Aufgabe 4 systematisch heranzugehen: Nach meiner Ankunft in Bodh Gaya begab ich mich in das Internationale Meditationszentrum, um ein paar Weise um Rat zu fragen. Ich fand auch schnell einen kleinen, wohlgenaehrten Moench mit rotem Umhang, und fragte ihn zunaechst, was denn Erleuchtung eigentlich bedeutet.
Er redete eine ganze Weile, und ich glaube ihn richtig verstanden zu haben, wenn ich Erleuchtung als einen Zustand beschreibe, bei dem man Antworten auf alle Fragen des Universums kennt. Aha!
Ich fragte ihn, wie man denn Erleuchtung erlangen kann. Er redete eine ganze Weile, und ich glaube ihn richtig verstanden zu haben, wenn ich den Weg zur Erleuchtung mit 'schoen viel meditieren' beschreibe. Aha!
Ich erzaehlte ihm, dass ich gerne Meditieren lernen wuerde und dass ich auch bis morgen nachmittags Zeit haette. Er erzaehlte mir wieder eine Menge ueber den 14 Tage Super-Schnell-Kurs, den 28 Tage Schnellkurs und das man am allerbesten gleich das ganze Leben hier verbringen sollte. Dann zog er die Schubalde an seinem Tisch auf, holte ein gelbes Buch von dem Gruender und Obermeditator dieses Internationalen Meditationszentrum heraus und empfahl mir die Kapitel 8 und 9. Ich hatte das Gefuehl, dass er mich nicht ernst nahm und beschloss es ihm zu zeigen. Wenn er wuesste! In der 6. Klasse hatte ich mal vergessen ein Lied fuer den Musikunterricht zu lernen und als ich das mitbekam habe ich das Lied in der grossen Pause vor der Stunde gelernt und anschliessend eine 1 dafuer bekommen. Bis zum naechsten Tag das ganze Universum zu koennen ist sicher etwas mehr Arbeit, aber wir werden ja sehen, wer von uns beiden zuerst leuchtet!
Ich kaufte das Buch fuer 100 Roupees (90 Cent), ging zu der Stupa, schlug es auf und war fest entschlossen das gesamte Buch zu lesen. Ich schlug die erste Seite auf - ein Widmung des Autors an irgendwelche Oberbuddhisten. 2. Seite: Impressum der 4. Auflage des Buches von 2002. 3.Seite - hier ging es endlich los. Mit einem Vorwort zur 4. Auflage. 2 Seiten lang und gefolgt von dem Vorwort zur dritten Auflage. Ich verlor die Geduld, hatte schliesslich ja nicht ewig Zeit, ueberflog das Vorwort zur zweiten Auflage, um dann das Vorwort zur ersten Auflage zu ueberblaettern. Anschliessend kam eine Einleitung mit der Geschichte zur Entstehung des Buches und des Internationalen Meditationszentrums und und und.
Ich blaetterte nun doch gleich zum Kapitel 8: Grundlagen zum Erlernen der Meditation.
Dort stand, dass man einen guten Freund benoetige (ich schaute auf Horst und nickte) und wie man seinen Tagesablauf gestalten sollte (zusammenfassend laesst sich dazu sagen: frueh aufstehen, spaet schlafen gehen und zwischendurch ausschliesslich meditieren) und der Unterscheid zwischen Sitzmeditation und Gehmeditation und Meditation beim Essen und so weiter. Irgendwie alles nicht das, was ich wirklich wissen sollte. Ich war ziemlich genervt von diesem bloeden Buch.
Kapitel 9 wurde da schon konkreter: Zunaechst solle man einen aufrechte Sitzhaltung annehmen - Horst und ick sassen da wie preussiche Mustersoldaten - dann ein Bein in die Leistengegend, dann das andere Bein auch dahin. Was ich mit Horst muehelos machen konnte - es ging so gut, dass ich ihm die Arme auch gleich noch verknotete - ging mit meinen Beinen ueberhaupt nicht. Ich habe jetzt noch Schmerzen und glaube, dass ich mir einen Muskel gezerrt habe. In dem Buch stand auch nichts von einem angemessenen Warm-up oder so, ich war schon ziemlich enttaeuscht von soviel Diletantismus.
Ich legte das Buch beiseite, ging in den Garten, der sich um die Stupa herum befand, legte mich auf einen Stein und schief eine Weile. Ich wurde von einem Parkwaechter geweckt, aber erleuchtet fuehlte ich mich nicht. Anschliessend ging ich zu dem See, an dem Buddha von einer Koenigskobra vor Sturm und Regen beschuetzte wurde und starrte eine halbe Ewigkeit auf das Wasser - aber mehr als die Erkenntnis, dass ich mittlerweile einen ganz schoenen Hunger hatte, kam nicht.
Ich ging zurueck zur Stupa, legte mich neben einen Betenden und ueberlegte mir, wie ich denn eigentlich feststellen wolle, ob ich erleuchtet bin oder nicht. Ich ueberlegte mir 3 Fragen, deren richtige Beantwortung mir darueber Aufschluss geben sollte.
Zunaechst etwas von universeller Bedeutung: Die Antwort auf die bedeutende Frage von dem Leben, dem Universum und von Allem!
Dann etwas, was mich schon lange interessierte: Wozu ist Religion da?
Und abschliessend noch etwas praktisches: Die Lottozahlen der naechsten Mittwochziehung.
Ich wurde bei soviel Denken wiederum muede, schlief ein und hatte eine Erscheinung. Ich ging um die Stupa herum, und da war auf einmal ein roter Teppich. Ich schritt diesen roten Teppich entlang und kam nach einer ganzen Weile auf einen alten, tibetanischen Moench zu. Er faltete seine Haende vor der Brust und begruesste mich mit einem Nicken seines Oberkoerpers, nahm Horst, der vor ihm auf ein paar Koernern lag, in die Hand und aus Horst Maul erfuhr ich die Antwort auf alle 3 Fragen.
Ich wachte auf, hinter mir war immer noch der Betende, neben mir schlief leise Horst, aber ich wusste die Antwort auf dei 3 Fragen.
Die Antwort auf die bedeutende Frage von dem Leben, dem Universum und von Allem ist schnell gegeben: 42! Zweiundvierzig ist die Antwort, wer mehr darueber wissen moechte, dem empfehle ich das Buch "Per Anhalter Durch Die Galaxis" von Douglas Adams.
Die Frage nach dem Sinn der Religion ist etwas umfangreicher. Religion hat weniger mit dem Glaube an etwas Nichtexistentem oder Ueberirdischen zu tun, sondern ist eine Anleitung zum gerechten und glueckvollem Zusammenleben. So gibt es in dem christlichen Glauben, den Jesus Christus als die Lichtgestalt, dem wir alle nachahmen sollen und dessen Ratschlaege wir befolgen sollen, und schon waere die Welt nahezu ohne Streit. Aehnlich ist das mit dem Islam und Mohammed. Die Hindus dagegen haben 330 Millionen Goetter, aber nur, damit sich ein jeder nach seinem Gerschmack einen Aussucht, dem er nachahmen moechte und der ihm gerade in schwierigen Lebenssituationen einen Ausweg zeigt, indem sich der gemeine Hindu fragt: 'Wie wuerde sich Shiva in dieser Lage verhalten?'.
Religion ist also eine Art Anleitung zur Lebensorganisation einer Gemeinschaft. Daher ist eine Gemeinschaft auch sehr darauf bedacht, dass es eine vorherrschende Religion gibt. Leider kann man in Kriegszeiten diese Lebensorganisation mit ein paar sehr freien Deutungen auch schnell fuer schlechte Dinge nutzen, zum Beispiel der Vorwand auch anderen Menschen unsere Lebensorganisation - die Demokratie - bringen zu wollen, fuehrte zu dem jetzigen Chaos in Arabien.
Die Antwort auf die dritte Frage ist am leichtesten zu geben: Ziehung vom Mittwoch 3. November 2004: 5,8,15,22,35,48 Zusatzzahl 7.
Alle Fragen richtig beantwortet, Aufgabe erfuellt. Ich konnte nach Hause gehen!
Datum: 01.11.2004 11.49 Uhr
Meine Bestrafung!
Hallo aus Varanasi am Ganges!
Nachdem ich die letzten 2 Tage Erleuchtung in Bodh Gaya fand, dem heiligsten Heiligtum des Buddhismus, befinde ich mich nun ca. 6 Autostunden weiter westlich in Varanasi am Ganges. Dies ist die heiligste Stadt der Hindus und hier fliesst der Ganges mit 2 anderen Fluessen zusammen.
Das Wasser des Ganges ist seit dem Altertum dafuer beruehmt, dass man es 10 Jahre lang hinstellen kann und es nicht anfaengt zu stinken. Und so gilt ein Bad im Ganges fuer einen Hindu auch als Abwaschen aller Suenden und Erloesung seiner Seele. Wer in Varanasi stirbt, der kommt auch aus dem Kreislauf der Wiedergeburt heraus, und findet Erloesung. Tote Babies, tote Moenche und tote Kuehe werden direkt im Ganges als ganze Leiche versenkt, alle anderen werden an einem der 2 Burning-Gats verbrannt und dann kommt die Asche in den Ganges. Ab und zu taucht auch eine Leiche mal wieder auf, um den Ganges langsam abwaerts zu treiben ...
Diese Praktiken, und die diversen ungefiltert eingeleiteten Industrieabwaesser, fuehrten dazu, dass der Ganges mittlerweile als dreckigster Fluss der Welt gilt. Wenn es in Europa fuer offene Gewaesser eine Verordnung zur Zulassung als Badewasser eine Obergrenze von 500 gibt (was auch immer da gemessen wird), so hat der Ganges davon 1,5 Millionen - also den 3000-fachen Wert!!!!!!!
Das haelt jedoch Tausende von Pilgern pro Tag nicht ab ihre rituellen Waschungen zu machen. Und ich werde freiwillig auch ein Bad im Ganges nehmen, um mich von der Suende der nichtgeloesten Aufgaben zu befreien. Mich ekelt es schon, aber da muss ich durch. Mein Bruder hat mir eine Unbedenklichkeitserklaerung gemailt. Allerdings spekulkiert er natuerlich auf mein Erbe. Aber egal! Ich tue es!
Heute Abend fahre ich dann mit dem Zug zu den fabelhaften Hoehlen von Ajanta - das dauert ca. 23 Stunden, bringt mich aber dem Endpunkt meiner Reise - Bombai- sehr nahe!
ANHANG: die Mail meines Bruders:
"Also grundsätzlich finde ich, das es für einen Horst, den Eisbären, ein Vergnügen sein sollte zu schwimmen und tauchen, allerdings bei diesem Schmutz? Da muss er durch und für Ihn würde ich da auch ein Unbedenklichkeitszeugnis ausstellen.
Bei Dir ... grundsätzlich kannst Du Dich gut infizieren, allerdings mit nichts, was Du nicht auch im Essen, im Tschai, auf den Toiletten etc. findest. Da DU noch jung und rüstig und auch nicht groß anfällig bist, denke, ist das kein Problem. Ich war damals bis zu den Knien drin.
Es sei denn, es gibt Informationen über Giardia Lamblia oder ähnlich gefährliche Erreger, aber dann würde auch die örtliche Bevölkerung dort kein Bad nehmen.
Da es eh auf dem Nachhauseweg passieren würde, gebe ich Dir hiermit grünes Licht.
Viel Spaß noch, Carsten"
Datum: 01.11.2004 12.10 Uhr
Die Ajanta-Hoehlen
Jawohl, ich habe es getan!
Neben dem Internetcafe von vorgestern war ein Tuchladen; ich fragte da nach dem billigsten Stoff den er habe; zum Glueck hat er mir nicht Haschisch, sondern doch einen Art Schal mit Muster und indischer Schrift drauf angeboten; ich erzaehlte ihm, dass ich mit diesem Tuch meine Bloesse bei einem Bad im Ganges bedecken will; er erzaehlte mir, dass die Zeichen auf dem Tuch irgend etwas mit einem Gott zu tun haben und nicht fuer eine Region unterhalb der Leistengegend bestimmt sind; er gab mir ein anderes, kleineres Stueck Stoff; ich protestierte, dass ich fuer meine Bloesse doch etwas mehr braeuchte; er gab mir schliesslich fuer ca. 1 Euro ein ausreichend grosses Stueckchen Tuch, wuenschte mir viel Glueck und ich machte mich auf den Weg.
Neben ein paar rituell Badenden legte ich meine Sache hin, zog mich vorsichtig um, wies einen Mitbadenden in die Bedienung meiner Kamera ein und nahm das Bad. Beweisfotos werden folgen!
Wenn man richtig dicht an das Ufer des schlammigen Ganges rangeht, sieht man auch - zusaetzlich zu allen gestern schon beschriebenen Unreinheiten - ganz normale Kuechenabfaelle, Kuhscheisse, Blumengebinde, Plastikflaschen und was weiss ich noch alles drin schwimmen. Daher war es gut, dass ich mein Bad neben ein paar Hindus an einem der vielen Ghats in Varanasi suchte. Das sind so Treppen, die bis in den Ganges reinfuehren und somit hatte ich keine Probleme mit den Ein- und Ausstieg.
Das Wasser war eigentlich recht angenehm auf der Haut, und bis jetzt habe ich weder Ausschlag, noch Beulen, noch waechst mir ein weitere Finger an der Hand, oder aehnliches. Also alles im gruenen Bereich; Bestrafung muss sein, ich habe lange gezoegert und ich moechte, dass dies auch entsprechend von euch als eine Heldentat anerkannt wird! Jawohl!
Einige von Euch haben ja gefordert, dass auch Horst bestraft wird. Aber leider geht es ihm derzeit nicht so gut. Seine Nase ist ganz trocken und die Zunge total pelzig, da habe ich ihn - in meiner Eigenschaft als Expeditionsarzt - vom Gangesbad befreit. Gesundheit geht vor!
Uebrigens ist mir beim Bad eine Sache angenehm aufgefallen: der Ganges - trotz dem ganzen Dreck und so - roch ueberhaupt nicht ekelig oder unangenehm. Um nicht zu sagen, er roch ueberhaupt nicht. Geht man ins Schwimmbad, riecht es nach Chlor. Geht man in einem kleinen ruhigen See, riecht es manchmal ein wenig modrig. Schwimmt man durch den Strelasund, stinkt das Wasser sehr modrig und schmeckt ekelig salzig. Aber der Ganges: ueberhaupt kein Geruch. Wirklich erstaunlich!
Ansonsten waescht mich mein Bad auch rein von einem Fehler, den ich bei der Beschreibung des Toytrains nach Darjeeling gemacht habe: Also der Bluetrain faehrt nicht in Australien, sondern in Suedafrika. In Australien findet die beruehmte, grosse Zugfahrt mit dem "Indien Pacific" statt. Danke hiermit nochmals an meine aufmerksame Lektorin und Lieblingsschwester Beate!
Vorgestern Abend, nach einer ausgiebigen Dusche um die Gangesreste vom Leib zu bekommen, ging es dann mit dem Zug nach Jalgaon, nach 22 Stunden Fahrt konnte ich aussteigen, um mir heute hier die Ajanta-Hoehlen anzuschauen.
Nach den 22 Stunden Zugfahrt mit Wasser und ohne Brot, bin ich hier richtig schoen essen gegangen. In Indien kann man eigentlich ueberall auch chinesische Gerichte bestellen, was ich gestern mal probiert habe. Chop Suey suess und sauer und zuvor Haehnchensuppe scharf(!) und sauer. Das war ein Fehler! 'Scharf' braucht man hier nicht unbedingt bestellen, tut man es doch, dann bekommt man es aber richtig scharf!
Aber auch das habe ich ueberlebt. Und diese Hunde von Kellner haben mit noch drei Schaelchen mit Gewuerzen - unter anderem gruenen Chili - gebracht. Wahrscheinlich als Verhoehnung. Ich habe tapfer aufgegessen, dabei Hoellenqualen durchlebt, mir 3 oder 4 Mal die schweissnasse Stirn mit einer Serviette abgewischt, die restlichen Servietten zum regelmaessigen Naseputzen verwendet.
Heute war ich bei den Ajanthoehlen. Fand ich echt toll. In einen Felsen, geschaffen durch einen maeaendrierenden Fluss, haben hier vor tausenden von Jahren Buddhisten insgesamt ueber 20 Hoehlen in den Fels geschlagen. Innen mal toll mit Saeulen gestaltet, mal ausgemalt (sehr detailreich, mit Perspektive!, schoene Farben, schoen erhalten), mal tolle Skulpturen in den Stein gehauen. Diese Hoehlen wurden dann fuer ueber tausend Jahre vergessen und ein britisches Tigerjaegerteam hat die Hoehlen dann Ende des 19. Jhd. wiederentdeckt. Wirklich eine Sehenswuerdigkeit allererster Klasse, ein Gemisch aus Petra in Jordanien und Abu Simbel in Aegypten. Eigentlich ein idealer Drehort fuer eine Szene im naechsten Indiana-Jones-Film.
So, nachher gehe ich hier ins Kino. Ich freue mich schon drauf. Und morgen habe ich - bevor ich gegen 22:30 Uhr meinen Zug nach Bombai nehmen muss - genug Zeit zur Loesung der Aufgabe 3: dem Rickshawfahren.
Bis dann!
Datum: 03.11.2004 12.56 Uhr
